Alle schreien „Nachhaltigkeit“!

Alle schreien „Nachhaltigkeit“!Ein aktuelles Streitthema

Das Thema Nachhaltigkeit ist zurecht in aller Munde. Aber wo fängt diese an und wo hört diese auf? Längst muss man sich schon für seinen Kaffeebecher "to go" schämen, Plastiktüten gehen gar nicht und in Plastik eingepackte Lebensmittel zum Verzehr sind unter der Gürtellinie, aber Papiertüten sind okay und mehrfach im Jahr mit dem Flugzeug zu fliegen geht auch noch?

Papier oder Plastik... oder Jute?!

Wir leben momentan mit einer komischen Doppelmoral. Vor allem die Medien verbreiten gern diffuse Informationen und machen so auf einige wirtschaftliche, soziale und ökologische Problematiken aufmerksam, andere kaschieren sie wiederum. Inzwischen arbeitet man im Einzelhandel fast ausschließlich mit Papiertüten. Diese sind aber nicht grundsätzlich ökologischer als Plastik. Bis eine Papiertüte klimafreundlicher ist, als eine Plastiktüte, müsste diese mindestens drei Mal genutzt werden – dies belegte vor kurzem eine britische Studie. Manche Papiertüten überleben aber leider nicht einmal den Nach-Hause-Weg. Zudem verbrauche man bei der Herstellung einer Papiertüte mehr Wasser und Rohstoffe, schrieb die SZ. Um die Klimabilanz eines Jutebeutels auszugleichen bräuchte es sogar 131 Nutzungen. Vor allem bleibt es ja meist nicht bei einer Stofftasche, oft bekommt man sie als Promo-Material geschenkt, oder man kauft selbst immer neue, da man dabei ein gutes Gefühl empfindet. Doch der Anbau von Baumwolle braucht extrem viel Wasser, Pestizide und Dünger. Zudem stammen rund zwei Drittel der Welternte mittlerweile von gentechnisch veränderten Pflanzen. Außerdem kann eine Plastiktüte recycelt werden, eine Baumwolltasche jedoch in der Regel nicht, ist dafür aber biologisch abbaubar – sowohl die Recyclingfähigkeit als auch die Frage der biologische Abbaubarkeit ist also ebenfalls ein Faktor beim Thema Ökobilanz einer Tasche.

Avocado für ein gutes Leben?

Auch weiß man inzwischen, dass selbst der Verzehr von Superfoods wie Avocados absolut keine weltverbessernde Wirkung haben – leider eher im Gegenteil. Die Avocado hat sich als wichtige Zutat der veganen Küche über die letzten Jahre etabliert und lässt sich in dieser vielseitig einsetzen. Wurden 2010 noch 28.000 Tonnen Avocados nach Deutschland eingeführt, waren es 2016 bereits 58.500 Tonnen. Leider ist der Anbau jedoch ökologisch gesehen sehr umstritten. Fakt ist, dass im Anbauland Mexiko für die grüne Frucht bereits illegal Wälder abgeholzt werden. Zudem steht der Wasserverbrauch beim Avocado Anbau in keinem Verhältnis zu einem ökologischen Anbau: Ein Kilogramm Avocados verbraucht 1000 Liter Wasser.  Im Vergleich benötigen ein Kilogramm Tomaten durchschnittlich 180 Liter Wasser. Auch der Transport aus Ländern wie Mexiko, Brasilien, Südafrika uvm. sorgt natürlich für eine schlechte Klimabilanz und oftmals landen daher extrem unreife, oder überreife Avocados in den Märkten, von denen dann keine geringe Menge unverkauft bleibt. Ein Umschwung und ein Bewusstsein für regionale und saisonale Produkte findet erst allmählich statt. Auch viele Kölner Restaurants und Supermärkte werben mit Produkten aus der Region und verwenden inzwischen vermehrt saisonales Obst und Gemüse.

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich?

"Nachhaltigkeit" wird heute als ein Gesamtkonzept angesehen, das sich aus den Feldern Umwelt, Soziales und faire Unternehmensführung zusammensetzt. Somit also sowohl aus ökologischer Verantwortung als auch aus gewissenhaftem ökonomischen und sozialen Handeln besteht. Es geht um Rücksicht, im Umgang mit Mensch und Umwelt und diese richtet sich stets auf die Gegenwart und auf die Zukunft aus. Der Welterschöpfungstag wurde 2018 bereits am 1. August erreicht. Bis zu diesem Tag wurden die natürlichen Ressourcen verbraucht, die die Erde regenerieren kann und es wird jedes Jahr schlimmer. Was das für Auswirkungen hat, ist längst bekannt: schwerwiegende Folgen für unser Öko-System, die zu einem verehrenden Klimawandel führen. Das ist extrem bedenklich! Der Einzelne spielt auch im großen Ganzen eine Rolle, aber es sind vor allem die Staaten und die Politiker, die Berge bewegen.

Ein vorsichtiges Fazit

Fragt man mich, nach meiner Meinung zur „Nachhaltigkeit“, dann ist meine Antwort immer: So lange jemand sich bewusst versucht an eigene nachhaltige Maßstäbe zu halten, ist das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Kaum jemand schafft es, ein durchweg nachhaltiges Leben zu führen, zumindest nicht, wenn man in Industriestaaten wie unserem lebt. Es sollte okay sein auch mal einen Salat in einer Plastikverpackung zu kaufen, es sollte auch okay sein, mal mit dem Auto, statt mit dem Zug zu fahren, und es sollte erlaubt sein, auch mal eine exotische Frucht im Supermarkt zu kaufen, wenn man darauf Appetit hat – Alles in Maßen eben.
Man kann nicht auf alles verzichten, dann müsste man autark in der Natur leben. Wenn man so möchte, ist schon unsere Existenz also schlecht für das Klima. Langsam, sehr langsam, aber stetig ist jedoch ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit herangewachsen, das zumindest kleine Früchte innerhalb unserer Kultur trägt. Hoffen wir, dass das Bewusstsein bei jedem Einzelnen weiter wächst, und jeder etwas dazu beiträgt.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden

Jill

Ich tue nichts lieber als Köln zu entdecken; die kulturellen Veranstaltungen, die innovativen Ideen und das interessante Stadtbild zu studieren und nachts in der Stadt zu chillen, oder zu lauter Musik zu tanzen. Das ist Köln für mich – ein Ort, den es sich lohnt zu entdecken!