Am Büdchen mit...

Am Büdchen mit...dem DJ der guten Laune

Für unsere Gesprächsreihe "Am Büdchen mit..." treffen wir uns von nun an regelmäßig mit interessanten Kölner Persönlichkeiten an ihrem Lieblingskiosk - auf ein Getränk und genau sieben Fragen. Unsere Interviewpartner sind Menschen, die das Stadtbild mitgestalten, Kreatives schaffen und eine Meinung haben - echte Charaktere eben.
Als DJ der guten Laune ist er noch heute in Köln bekannt, was er aber noch so in Köln treibt und was ihn bewegt, das verrät er uns am Jazz Kiosk im Agnesviertel.

Geheimtipp Köln:
Was hat dich nach Köln verschlagen?
DJ der guten Laune:

Puh, das war 1977... das Studium. Ich habe in Bochum studiert und irgendwie kamen dann meine damalige Freundin und ich doch auf die Idee nach Köln zu gehen. Hier haben wir dann Wirtschaftswissenschaft in sozialwissenschaftlicher Richtung studiert, aber ich war da bald raus. Ich bin im Studium immer eingeschlafen.

Geheimtipp Köln:
Was treibst du hier?
DJ der guten Laune:

Ich leb hier mit meiner Frau am Neusser Wall, bin mittlerweile auch ganz offiziell Rentner und seit 7/8 Jahren bin ich als Foodsaver sehr aktiv. Ich war immer schon umweltbewegt und 2010 kam dann das Video vom DJ der guten Laune und da bin ich eigentlich aus dem bürgerlichen Leben raus. Nach 28 Jahren im Büro, konnte ich dann ja tun und lassen, was ich wollte. Denn diese DJ-Geschichten sind ja mal eine halbe Stunde am Wochenende.
2011 kam dann auch der Film ‚Taste the Waste’ von dem Kölner Valentin Thurn, der erstmalig zeigte, was alles an Nahrung verloren geht. Es ist ja so, dass von den ganzen Backwaren – das sind 4 ½ Mio. die in der Republik gebacken werden – 1,7 Mio. weggeschmissen werden. Furchtbar!
Ich habe dann zuerst für die Kölner Tafel im Morgengrauen Backwaren sortiert. Ich bin total der Backwaren Freak. Als Kind habe ich mich immer um 5/6 Uhr zu einem Bäcker geschlichen.
2012 gründete sich dann Foodsharing. So bin ich dann mal mit dem Fahrrad, Anhänger, oder dem Auto unterwegs, organisiere viel und bin eine Art Akquisiteur bei Foodsharing e.V..
Ich bringe die geretteten Lebensmittel meist in die Feuerwache. Da ist ein sehr großer Fairteiler mit Regalen und einem Kühlschrank und ich habe an der Thomaskirche vor 4 ½ Jahren angeregt, dass dort Backwaren verteilt werden – das geht bis heute. Jeden Dienstag kann man um 10 Uhr hin, kann sich mit Backwaren eindecken, manchmal gibt es noch Obst und Gemüse, und man kann im Saal auch ein Frühstück zu sich nehmen.
Ich habe auch eine neue Aktion außerhalb des Viertels, in der Herz Jesu Kirche am Zülpicher Platz. Dort findet jetzt alle vierzehn Tage eine Verteilung statt, da gibt es Backwaren, Obst, Gemüse und Kühlwaren. Das schöne ist eben, dass ich durch meine DJ-Geschichte mit meinem Einkommen ein Auskommen habe und das ich so Zeit habe ohne Ende.

Geheimtipp Köln:
Wie kam es dazu?
DJ der guten Laune:

Wesentlich ist eben, dass Video ‚Taste the Waste’, was mein Leben also völlig auf den Kopf gestellt hat. Das hat auch familiär alles verändert. Ich war vorher in einer netten Siedlung im Süden, in Rondorf. Und dann im Zuge dieser Neuorientierung bin ich dann erst kurz nach Ehrenfeld gezogen, wobei, das waren doch 1 1 ½ Jahre, und seit Anfang 2013 wohne ich eben mit meiner jetzigen Frau hier am Neusser Wall.

Geheimtipp Köln:
Warum ist das dein Lieblingskiosk?
DJ der guten Laune:

Zum einen, weil ich immer wieder in die Verlegenheit kam... ich weiß gar nicht zu welcher Zeit, weil ich eigentlich kein Nachtmensch bin... wir trinken gern mal einen Aperol Spritz. Und hier gab es zumindest dann so kleine Sektfläschchen in Bio-Qualität. Es gibt hier auch generell vieles In Bio-Qualität. Dann finde ich natürlich gut, dass hier immer coole Musik läuft, wie der Name schon sagt – eben Jazz Kiosk. Und dann ist es noch so, dass wir für unsere Verteilung immer mal Behälter suchen, die ich aus verschiedenen Quellen bekomme und da bin ich zuletzt auch hierhin gegangen und die haben mir einen ganzen Stapel sauberer Behälter gegeben, weil sie einfach ein Bewusstsein dafür haben, diese nicht einfach in die Tonne zu schmeißen.

Geheimtipp Köln:
Was schätzt du an Köln?
DJ der guten Laune:

Also spontan würde ich sagen: Atmosphäre, denn, wenn man es kritisch betrachtet, bleibt hinter den Kulissen nicht viel übrig. Wenn der Dom hier nicht wäre, der Rhein so schön hier lang fließen würde und der Dialekt nicht wäre, oder die Kölschen Kneipen. Ich geh da zwar nicht oft rein, aber es reicht mir zu wissen, dass es sie gibt. Aber auch so Kölsche Veedel wie Ehrenfeld. Zum Teil auch hier im Agnesviertel oder Südstadt und die Gegend um die Kyffhäuser. Bedingt auch dadurch, dass hier viele Studenten sind, ist hier kulturell irre was los. Ich bin ja jetzt – lass mich lügen – 40 Jahre etwa in Köln, und damals gab es hier eine Sporthalle, ende, aus! Jetzt haben wir eine Arena, die dreimal so viele Leute fasst und alle möglichen Locations in jeder Größe. Das ist natürlich toll für mich als Konsument, wobei ich am liebsten in die Philharmonie gehe. Die finde ich akustisch sehr schön. Und wenn ich an Künstler denke, die in experimentellsten Feldern unterwegs sind, da findest du hier Publikum. Das finde ich klasse. Und ich bin sehr geschichtsbewusst. Es macht schon etwas aus, zu wissen, dass hier locker 2000 Jahre Geschichte im Hintergrund sind. Wovon ja auch Reste überall zu finden sind.

Geheimtipp Köln:
Was magst du nicht an Köln?
DJ der guten Laune:

Zum Teil hat Köln ja ein bisschen etwas Überhebliches. Köln ist ja so toll! Oder ja, diese Fußballmannschaft! Die ist das letzte, was man sich wünscht, aber da gibt’s immer noch wahnsinnige Fans. Städtebaulich muss ich sagen... meine jetzige Frau ist aus Dresden, daher habe ich zu der Stadt einen Bezug gewonnen. Wenn man das vergleicht, da ist Köln nichts gegen! Es gibt so viele Bausünden von nach dem Krieg und die werden leider nicht abgerissen. Im Gegenteil! In der Richtung wird dann noch weiter gebaut. Köln ist sehr behäbig. Ich vermute immer noch verklüngelt. Ich habe mir von der neuen Bürgermeisterin sehr viel versprochen, aber ich denke, sie kann gar nicht viel durchsetzen. Als umweltbewusster Mensch sind natürlich Fahrradwege wichtig. Ich finde hier immer Schleichwege, aber wenn ich hier an Hauptstraßen wie die Luxemburger Straße, Aachener Straße, Niehler Straße denke, dann hoffe ich, dass da endlich mal etwas in Bewegung kommt. Aber ich denk mal, dass mit der neuen Umweltbewegung auch mehr Elan reinkommt.

Geheimtipp Köln:
Was sind deine Geheimtipps/Bestplaces in Köln?
DJ der guten Laune:

Also sagen wir mal: Was ich sehr mag, ist das Schelds im Oellig an der Agneskirche. Zum einen haben die eine schöne kleine Karte, und speziell bei Fleisch, – ich esse zwar tendenziell vegetarisch – wissen sie, woher das kommt. Der Inhaber bestellt sogar komplette Hühner, um am Magen und am Schnabel zu sehen, wie das Tier gehalten wurde. Das habe ich vorher noch nie gehört, und ich hör ich überall um. Ich gehe echt da essen, wo man Wert auf so etwas legt und das ist in Köln wenig. In der Innenstadt ist es das Ludwig im Museum, im Museum Ludwig. Da gibt es ein ganzes Heft, in dem man lesen kann, wo die Sachen herkommen. Das Restaurant kocht sehr regional, sehr saisonal. Wenn ich jetzt mal nicht essen gehe, dann fühle ich mich in der Philharmonie wahnsinnig wohl – der Raum, die Akustik, die Optik sind ganz ganz herrlich. Dann ist mir persönlich noch wichtig, hier im Viertel die Läden zu nennen, die nicht wegwerfen, wie Epí und Rewe Ziegler. Da kommt Foodsharing, die Thomaskirche, meine Organisation und die Kölner Tafel. Es wird nichts weggeworfen. Wir haben hier leider aber noch wirklich viele Läden, die alles wegschmeißen und das sollte bald mal der Vergangenheit angehören.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Jill

Ich tue nichts lieber als Köln zu entdecken; die kulturellen Veranstaltungen, die innovativen Ideen und das interessante Stadtbild zu studieren und nachts in der Stadt zu chillen, oder zu lauter Musik zu tanzen. Das ist Köln für mich – ein Ort, den es sich lohnt zu entdecken!