Am Büdchen mit...

Am Büdchen mit...den Mädels vom Kölner Podcast Frittenfisch

Für unsere Gesprächsreihe "Am Büdchen mit..." treffen wir uns regelmäßig mit interessanten Kölner Persönlichkeiten an ihrem Lieblingskiosk - auf ein Getränk und genau sieben Fragen. Unsere Interviewpartner sind Menschen, die das Stadtbild mitgestalten, Kreatives schaffen und eine Meinung haben - echte Charaktere eben.
Die Mädels des Podcasts Frittenfisch berichten alle zwei Wochen – ganz im kölschen Stil – über Köln und die Menschen die hier leben. Wir haben uns bei schönsten Wetter mit den beiden am Lenauplatz in Neuehrenfeld getroffen und haben sie gefragt, wie es zu dem Podcast kam und was die beiden an Köln schätzen.

© Celina Albertz

Was hat euch nach Köln verschlagen?

Jana: Also Jule und ich sind ja beide in der Eifel geboren und ähm...

Jule: Nee, ich bin in Köln geboren. [lacht]

Jana: [lacht mit] Ja, genau. Jule ist in Köln geboren. Ist aber dann relativ früh in die Eifel gezogen, mit drei Jahren, oder so. In der Eifel war das so, es war schon immer relativ karnevalslastig. Wir hatten da eigene Karnevalssitzungen, haben auch ganz viel gefeiert und waren auch schon als Kinder in der Funkengarde. Wir waren 10 Jahre Funkenmariechen und das hat uns auch schon sehr geprägt auch nach Köln zu ziehen, und irgendwie hat unser Herz auch immer für Köln geschlagen.

Jule: Genau, da ich hier geboren bin und noch Familie hier habe, war es auch schon immer klar: wenn ich studieren gehe, wird’s Köln. Ich hab sogar in Bonn studiert, aber bin dann trotzdem nach Köln gezogen, damit wir zwei zusammen bleiben können.

Jana: Wir waren auch früher öfter mal in Köln im Tarm Center West feiern. Man kennt es bestimmt gar nicht mehr, aber das war so eine ganz schräge Diskothek. Wir haben dann im Auto geschlafen und sind am nächsten Morgen wieder in die Eifel gefahren. Aber als wir nach Köln gezogen sind, da sind Jule und ich wirklich auch in die Eifelstraße gezogen, an die Haltestelle Eifelplatz. Da haben wir auch 7/8 Jahre zusammengewohnt.

Jule: Das war einfach unser Jugendtraum, zusammen eine WG zu gründen und das haben wir dann auch gemacht.

Wir versuchen die Leute einfach etwas zu entertainen und deren Leben zu bereichern, so wie der Podcast uns bereichert und immer einen Touch Köln mit reinzubringen.

Jule

© Celina Albertz

Was treibt ihr hier?

Jule: Wir lieben Köln, lieben das Leben hier und haben unseren eigenen kleinen Podcast gestartet. Erst als Freundschaftsprojekt und dann ist es immer mehr und mehr gewachsen und jetzt haben wir sehr viel Spaß dran, lernen viele neue Leute kennen und feiern das richtig ab.

Jana: Genau, Frittenfisch, der Podcast för et Jeföhl. Da geht es halt um gute Laune, um Köln, um Spaß und um Herzensangelegenheiten, aber wir haben auch immer ein Special im Podcast, zum Beispiel haben wir öfter mal ein Experiment. Da war ich einmal drei Wochen auf dem Kölner Campingplatz und hab da wirklich gewohnt, bin von diesem Campingplatz morgens zur Arbeit gegangen. Oder zuletzt hatten wir ein Interview, da haben wir den ‚Armin Aufguss’, Saunameister der Claudius Therme in Köln, getroffen. Wir stellen da auch nicht nur so klassische Fragen, sondern auch skurrile Fragen wie: Hast du schon mal den Saunabesuchern auf die Genitalien geguckt, oder lachst du wenn ein entspannter Saunabesucher furzt? Das sind dann auch so Fragen, die einen wirklich interessieren, die man sich aber nie trauen würde zu stellen. Genau das macht den Podcast auch so ein bisschen aus.

Jule: Wir versuchen die Leute einfach etwas zu entertainen und deren Leben zu bereichern, so wie der Podcast uns bereichert und immer einen Touch Köln mit reinzubringen.

Jana: Dadurch, dass wir im Podcast viel über Köln berichten, informieren wir uns auch viel über die Themen wie ‚Wovon träumt der Dom’. Das hab ich auch erst herausgefunden: Der Dom wird am Abend verabschiedet und auch die Besucher werden verabschiedet, mit einer Domansage auf Kölsch, die dann gesprochen wird von einem 'Hänneschen' Puppenspieler. Der sagt dann so: Macht et jut, kommt jut nach Haus.... Man lernt so viel über Köln kennen, weil man sich damit einfach beschäftigt.

© Celina Albertz

Wie kam es dazu?

Jule: Ja, wie gesagt. Es war eine kleine spontane Idee letzten Sommer und wir haben das als Freundschaftsprojekt gestartet, damit wir auch nochmal ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen, einfach ein Projekt zusammen haben und nun hat es sich immer größer entwickelt und ist zum Selbstläufer geworden. Jede macht, was ihr selber Spaß macht. Jana macht eher Marketing und connected sich und ich mache eher so das technische, wie die Einspieler. Es ist einfach ein Hobby, das immer größer geworden ist.

Jana: Genau, wir haben auch vorher mal gehört, dass die Leute in den USA kaum mehr Radio hören, sondern fast nur noch Podcasts und dann wars halt so, dass ich ein Jahr beruflich in München war, letztes Jahr. Wir haben dann immer telefoniert und als Jule in München zu Besuch war und wir uns im Englischen Garten ein paar Bierchen reingestellt haben, da haben wir gedacht, wir können so ein Gespräch eigentlich auch aufnehmen. Wir haben uns dann ne ‚Flüstertüt jekauft’, wie man in Köln so schön sagt und haben erst von Köln nach München aufgenommen. Also wir haben uns während des Podcasts nie gesehen, das tun wir erst seit drei Monaten. Das war auch ein bisschen schwierig, weil ich halt Jules Mimik nicht sehen konnte, keine Gestik, nur meinen schwarzen Laptop. Jetzt ist es viel cooler, macht viel mehr Spaß.

© Celina Albertz

Warum ist das euer Lieblingskiosk?

Jana: Ja, ich bin ja vor drei Monaten erst nach Neuehrenfeld gezogen und hatte mal abends die Handwerker da, und wie das halt so ist... die wollten dann irgendwann Bier haben. Ich hatte kein Bier da und bin zum nächsten Büdchen und das war dann halt das Büdchen hier am Lenauplatz. Und ich hatte noch Farbe an meinem T-Shirt und der Kioskbesitzer Aphan meinte sofort: Ja krass, haste Farbe am T-Shirt, biste gerade erst hergezogen? Wir sind halt sofort ins Gespräch gekommen und dann hat er echt gesagt: Ja, wenn du mal Hilfe brauchst, sag bescheid, ich arbeite hier mit mehreren Jungs zusammen. Er ist einfach total nett, hat mir Tipps gegeben, wo der beste Bäcker ist, wo man hier gut vegan essen kann. Seitdem bin ich öfter hergekommen. Was ich halt auch so geil finde ist, dass er einfach so ultra viele Zeitungen hat. Da werden Kindheitserinnerungen nochmal wahr. Und eine riesige Bierauswahl. Er hat auch vor allem - und da haben Jule und ich auch mal eine Folge drüber gemacht - eine Zeitung namens Meine Schuld und da stehen nur so schlechte Laune Sachen drin – wirklich – wenn du die gelesen hast, bringst du dich um. [lacht]

© Celina Albertz

Was schätzt ihr an Köln?

Jule: Ich mag die Offenheit der Leute und dieses Individuelle. Es gibt so viele Viertel und jedes Viertel hat seinen eigenen Charme, seinen eigenen Charakter und das finde ich so abwechslungsreich und spannend. Ich gehe auch gern mal in die Innenstadt, obwohl es ja da sehr steril und sehr mainstreamig ist, aber irgendwie zieht es mich auch dahin. Ich fühl mich hier sehr wohl.

Jana: Dadurch, dass ich jetzt auch ein Jahr weg war, verspür ich hier irgendwie so eine Verbundenheit. Das wir alle hier so zusammengehören und, dass meine ich nicht nur so aufgrund dieser Karnevalslieder, oder dieser ganzen Lieder in denen wir unsere Stadt besingen, sondern auch...

Jule: ...zuhause eben.

Jana: Ja, ich finde auch Social Media leistet da ganz viel. Gerade, weil, würde es kein Instagram geben, dann würde Geheimtipp Köln und Frittenfisch jetzt auch nicht zusammensitzen und auch dadurch hab ich das Gefühl, dass alle so zusammen gehören. Auf der anderen Seite ... ich find Köln cool, aber ich finde die Leute sollten das im Alltag vielleicht auch so ein bisschen zeigen, sich vielleicht öfter mal ‚Hallo’ sagen. Ich gehe hier so durchs Viertel und da sagt keiner ‚Guten Morgen’... das find ich etwas schade. Das ‚Hallo’ sollte man mal zur Pflicht machen. [lacht]
Ich find Köln ist ja immer so ein bisschen chaotisch, also es wird ja auch in den Medien oft schlecht dargestellt, oder alles, was so Stadtverwaltung angeht... da läuft immer einiges schief. Das mag ich aber auch, weil ich selbst so ein bisschen chaotisch bin, und die Büdchenkultur liebe ich natürlich. Das sagt bestimmt jeder... und natürlich Karneval!!!

Was mögt ihr nicht an Köln?

Jana: Ich mag nicht an Köln, dass es doch manchmal sehr wuselig ist, viel Verkehr, sehr viele Autofahrer, sehr viele Fahrradfahrer und es passt oft nicht zusammen. Die Autofahrer regen sich über die Fahrradfahrer auf, die Fahrradfahrer über die Autofahrer. Ich genauso – je nachdem wo ich gerade drinsitze. Das ist manchmal ein bisschen stressig. Es wäre schöner, wenn es manchmal ein bisschen entspannter wäre und die Wohnungssituation in Köln nervt auch. Es nervt, dass es teuer ist, schönen Wohnraum zu haben.

Jule: Ich mag die Lage von Köln nicht. Man ist von hier aus halt schnell in Holland und Holland interessiert mich so gar nicht. Du bist nicht mal schnell in den Bergen, oder kannst schnell Ski fahren.... du kannst ins Ruhrgebiet fahren... joar...
Dann nervt es mich, dass in Köln überall Rewe ist. Also jetzt da an der Ecke Venloer Straße, fast direkt neben Kebabland, da ist ja schon ein Rewe und da kommt jetzt auch noch einer hin und da an der Körnerstraße kommt auch noch ein Rewe hin. Das macht das Stadtbild halt auch nicht schön. Irgendwie nervt das.

Was sind eure Geheimtipps/Bestplaces in Köln?

Jule: Also mein Geheimtipps, und das hab ich auch schon öfter im Podcast gesagt, sind – gerade, wenn man mal einen stressigen Tag hat – die Kanäle, Rautenstrauch Kanäle und Clarenbachkanal, runter zum Stadtwald. Gerade zu dieser Jahreszeit, wenn die Sonne scheint und die Kastanien aufplatzen und dann regnet es Kastanien auf dich. Gerade heute morgen war ich noch mal da und es war einfach so schön. Du denkst dann gar nicht, dass du in so einer Großstadt bist. Das ist der perfekte Ausgleich.

Jana: Mein Geheimtipp ist dieser Campingplatz, auf dem ich drei Wochen war. Das ist ein Campingplatz unten am Rhein, bei Bergers. Ich kann das nur empfehlen, weil da fast nur Kölner waren. Das hat mich auch total gewundert, weil ich dachte da sind ganz viele Holländer, oder Leute, die halt eben Urlaub machen. Aber nein, alles Kölner. Und dann ist der halbe Campingplatz morgens zur Arbeit gefahren und mittags hat man sich dort dann wieder getroffen, war im Rhein schwimmen, weil da ein Bereich ist, an dem du ohne Probleme schwimmen kannst, du kannst auch mittags zum Markt fahren, nach Rodenkirchen, da einkaufen. Es gibt auch einen Biergarten auf dem Campingplatz. Man kann abends nach Rodenkirchen fahren, in dieses kleine Fischerdörfchen und da am Wasser Fisch essen gehen. Generell ist Camping am Rhein echt schön.

Jule: Und ich mag das Café Zweiblatt auf der Dürener Straße. Das ist ein ganz süßes Café, ein bisschen künstlerisch, individuell gestaltet und macht auch sehr gute Laune. Es ist ganz bunt und es gibt leckere Kuchen und selbst gemachtes Essen.

Jill

Ich tue nichts lieber als Köln zu entdecken; die kulturellen Veranstaltungen, die innovativen Ideen und das interessante Stadtbild zu studieren und nachts in der Stadt zu chillen, oder zu lauter Musik zu tanzen. Das ist Köln für mich – ein Ort, den es sich lohnt zu entdecken!