Ampel Light of Love

Ampel Light of LoveKöln bekommt zum CSD homosexuelle Ampelpaare

In einigen Städten verraten sie bereits FußgängerInnen, ob sie gehen oder stehen dürfen, jetzt bekommt auch Köln endlich homosexuelle Piktogramme in seinen Ampeln. Nach den Metropolen, Hamburg, München, Madrid und Flensburg bekommt auch die geliebte Domstadt ihre Ampelpaare. Wo und ab wann Ihr die gleichgeschlechtlichen Lichtgestalten finden könnt und weshalb sie noch nicht früher Kölner Ampeln schmücken dürfen, verraten wir Euch in unserem alternativen Ampelführer.

Same Same But Different oder: Warum bekommt Köln erst jetzt homosexuelle Ampelpaare?

Man möchte meinen die Stadt Köln ist ein Freund der Tradition. Noch immer fährt man KVB und noch immer konnte sich Alt nicht als Lieblingsbier der Kölner durchsetzen. Auch beim Ansatz von Piktogrammen außerhalb der rot-grünen Männchen-Norm. Bereits vor mehreren Jahren war ein Entwurf, der die Einführung gleichgeschlechtlicher Ampelpaare vorsah, abgelehnt worden. Dafür schmücken seit 2009 jeweils eine rote und eine grüne Ampelfrau die Ampel in der Venloer Straße vor dem Bezirksrathaus. 2014 bekam die tapfere Einzelkämpferin Unterstützung: Fünf Jahre nach der ersten Ampel erhielt auch eine Ampel auf der Kreuzung Ehrenfeldergürtel/Subbelrather Straße ein weibliches Piktogramm. Seither kam jedoch nicht viel Bewegung in die Einführung neuer Figuren an Kölner Ampeln. Dabei mangelte es jedoch nie an originellen und amüsanten Vorschlägen zur amüsanten Gewährleistung der Kölner Verkehrssicherheit.

Ampelfunken, Tünnes und Schäl oder Ampeljeck – an kreativen Ideen mangelt es nicht

Laura Galante, zum Zeitpunkt des Projekts Studierende der Studiengänge Grafikdesign und Illustration an der Kölner Design Akademie (KDA) ersann im Rahmen ihrer Diplomarbeit über „Ampelmännchen“ sogar ein neues: „Ampelfunken“. Angelehnt an die Roten Funken, Kölns traditionsreichsten und ältesten Karnevalscorps, bedeutet der Rote Funke Fußgängern zu stoppen, während das grüne Funkenmariechen den Fußgängerübergang bei ruhendem Verkehr freigibt. Durchsetzen konnte sich Ampelfunken trotz eines Briefs an Oberbürgermeisterin Henriette Reker bisher nicht durchsetzen. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die beiden Kölner Franz van Bahlen und Alexander Abels, die mit „Tünnes und Schäl“ vor mehr als sechs Jahren ein weiteres Stück Kölner Geschichte auf die Straßen der Rheinmetropole bringen wollten. „Kategorisch abgewiesen worden“ sei ihr gemeinsamer Vorschlag, erinnert sich van Bahlen, der sich das ungleiche Ampelpaar am Heumarkt vorstellen könnte.

Franz Schmitt versuchte sich, obgleich des allgemeinen Widerstands, erst im letzten Jahr an einem neuen, typisch kölschen Piktogramm: dem „Ampeljeck“. Der in Braunschweig lebende Exil-Kölner fertigte sogar ein Prototyp an, den er an mehreren öffentlichen Plätzen teste. Das Feedback hierfür fiel sogar überwiegend positiv aus – abgesehen von der zuständigen Behörde.

Zu bunt für Köln? Homosexuelle Ampelpaare zum CSD bleiben vorerst die Ausnahme

Dass sich Köln mit neuen Piktogrammen an seinen Ampeln schwer zutun scheint, ist klar zu erkennen. Doch ist die Verantwortung hierfür ausschließlich bei der Stadt zu suchen? Die Entscheidung über die Kölner Ampeln obliegt generell dem Amt für Verkehrsmanagement. Je nachdem, um welche Straßen und Ampeln es sich explizit handelt, muss auch der Landesbetrieb in Nordrhein-Westfalen einbezogen werden. Oberste Priorität ist in jedem Fall die einheitliche Gestaltung der zu verwendenden Symbole, Verkehrszeichen und Piktogramme, da nur so eine umfassende „Erkennbarkeit“ gewährleistet werden könne. Ausnahmen dieser Regelung müssen vom Ministerium für Verkehr Nordrhein-Westfalen genehmigt werden.

Die Genehmigung der homosexuellen Ampelfrauen und -männer war also keine Kurzschlussentscheidung, ebenso wenig wie ihre Installation pünktlich zum Christopher Street Day 2019 in Köln. In diesem Jahr jährt sich der Stonewall-Aufstand, der durch die Razzia der Schwulenbar Stonewall Inn an der Christopher Street provoziert wurde und als Wendepunkt der Schwulen- und Lesbenbewegung gilt. Die gleichgeschlechtlichen Ampelpaare könnt Ihr ab Juli an den Fußgängerampeln am Heumarkt rund um das Maritim-Hotel und die KVB-Haltestellen bewundern.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Hauke

Hauke arbeitet als freier Autor für Geheimtipp Köln und schreibt am liebsten über lustige Tiere und alkoholische Kaltgetränke. Der passionierte Trainspotter liebt die urigen Eckkneipen Kölns.