April, April im Corona-Zeitalter

April, April im Corona-ZeitalterStell dir vor, es ist Frühling und keiner geht raus

Seit circa 10 Tagen fühlt sich mein Leben an wie ein Aprilscherz.  Ein kollektiver Aprilscherz quasi. Unsere Welt steht still. Die Sonne scheint, der Geruch von geschmolzenen Hundehaufen weht durch die Parks und wir sind zu Hause. Jeden Tag ist Sonntag ohne den Samstag davor. Dieser Virus hat unser aller Leben auf Null gesetzt, ob Partytier oder Boulder-Ultra – wir alle müssen verzichten. Das fühlt sich manchmal an wie ein Witz. April, April und alles ist vorbei. So wird es leider nicht sein. Deshalb müssen den Spieß umdrehen. Seit Wochen tyrannisiert dieser gemeine Covid unseren Alltag und wir können nichts tun. Covid benimmt sich ein bisschen wie eine sehr ungesunde Beziehung. Verlangt unnormal viele Opfer und nimmt einem die Luft zum Atmen.

April, Köln, Corona

Händewaschen nicht vergessen!

Wie können wir es ihm denn heimzahlen?

Ich plane einen Anti-Covid-Tag. Ich meine, der ist 19, ich bin 34. Pah. Ich stehe auf und wasche mir die Hände. Nimm das, Covid! Ich hab zwar diese Nacht nichts Fieses angepackt, aber egal, Safety first. Ich frühstücke ultra gesund, denn einem gesunden Körper kann dieser Lungendämon weniger anhaben als einem, dessen Tag schon mit Jacky-Cola startet. Ich gehe raus und springe im Treppenhaus panisch zurück, als meine Nachbarin in diesem Moment ebenfalls die Wohnung verlässt. Erster Angriff von Covid: Erfolgreich abgewehrt. Draußen laufe ich mitten auf der Straße, wie ein Outlaw! Ja, da kommt mir niemand entgegen (tatsächlich auch kein Auto) und ich sage mir tapfer: „Wenn ich heute sterbe, dann nicht durch dich, Covid.“

Supermarkt, April, Köln, Corona

Alles andere als super!

Super stark im Supermarkt

Im Supermarkt ist es schon schwerer, dem Keim zu entkommen. Wie eine Paranoide stehe ich am Eingang und sehe ihn lauern in den Ecken, an den Birnen, den Bananen, den Einkaufswägen. Wie ein unangenehmes, früheres Tinder-Date, dem ich ausweichen möchte, schlängle ich mich durch die Regalreihen. Covid lauert überall. Doch ich mache es dir heute schwer, du Bastard! Ich ziehe mir leidenschaftlich meine sexy Latexhandschuhe über, täusche einen Jacko-Move an und bahne mir den Weg zum Weinregal. Das ist mein Hamstereldorado. Nix Nudeln und Klopapier. Sorry, aber wer sich jetzt am meisten freut mit Spaghetti Bolo auf Toilette sitzen zu können (nüchtern!), bis das alles vorbei ist, bei dem war vorher schon was nicht in Ordnung. Auf dem Weg zum Weinregal laufe ich gegen einen Dreijährigen, der dolle hustet. Covid, du weißt genau, was du tust. Ich niete den Kleinen um (zumindest in meiner Vorstellung) und sprühe ihn mit Sagrotan voll. Mission accomplished.

Wie ein unangenehmes, früheres Tinder-Date, dem ich ausweichen möchte, schlängle ich mich durch die Regalreihen.

Vicki Blau

Am Weinregal mache ich kurzen Prozess. Mit Schal vor dem Mund schnappe ich mir drei Flaschen Riesling und zwei Flaschen Sekt, dann ab zur Kasse! Endgegner! Zum Glück trägt die Kassiererin dieselben Fetisch-Handschuhe wie ich. Wir spielen im selben Team, Schwester. Ich zahle mit Karte, weil da weniger Keime dran sind und spüre, wie Covid sich dumm und dämlich ärgert. „Mich kriegst du nicht.“, raune ich und als die Kassiererin irritiert guckt, merke ich, dass ich das laut gesagt habe. Ist mir egal, ich bin bestimmt nicht die Einzige, die gerade nicht alle Tassen im Schrank hat.

Wein, April, Corona, Köln

Die Flasche kann nicht zu groß sein!

Nicht ohne mein Wein

Ich gehe zurück nach Hause und wasche mir 25 Minuten lang die Hände. Währenddessen singe ich „Happy Birthday“, weil das angeblich so lange ist, wie man sich die Hände waschen soll.
Covid schäumt vor Wut. Ich hab ihn draußen gelassen. Fast. Manisch wasche ich meine Weinflaschen ab (gibt es Flaschenkondome?), ziehe mich komplett aus, friere meine Klamotten, die ich draußen anhatte, ein und eliminiere somit auch den Rest aller Viren aus meiner Anti-Corona-Festung. Draußen lauert der Virus, böse, ausdauernd und hinterhältig vor meiner Haustür. Doch alle Mühen, dieses Date, das ich nie wollte, von mir fernzuhalten, macht traurig und einsam. Wobei nicht ganz einsam. Ich habe den Riesling.
Ich treffe mich mit ein paar Freunden bei Google-Hangout und als finalen Move gegen diese Pest, versuche ich nach einem Eimer Sekt mit einem Kumpel über den Bildschirm zu knutschen. Keimfrei. Covid äußert seinen Groll leise. Er geht. Für heute. Ich gehe auch. Ins Bett. Alleine. Ich bleibe verschont. Zumindest heute.

 

 

Frau in Köln

Denn mir sin kölsche Mädcher

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Vicki

Vicki ist im Bilde, wenn es um Events und Kulturspektakel aller Art geht. Sie ist Comedienne, Schauspielerin und Autorin. Wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, sitzt sie je nach Tageszeit gerne mal in einem schönen Café oder einer Bar - klischeemäßig natürlich am MacBook. Sie wohnt in der Südstadt.