Arbeit ist nicht alles

Arbeit ist nicht allesBäume machen Slow Working

Ich beginne mit dem Schreiben dieses Artikels viele Stunden nach Deadline. Das ist schon enorm slow und auch nicht die feine englische Art. Aber Duke Ellington hat was richtiges gesagt: “Do not fear mistakes. There are none.” Mir als Slow Man gefällt das sehr gut. Eine gesunde Fehlerkultur am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Und wie viele Sachen habe ich in meinem Leben schon so richtig verzockt? Unzählige. Aber es kommt wohl drauf an was man draus macht. Und was in den Augen mancher wie ein glorreicher Schachzug aussehen mag, das wird vom nächsten als gröbster Faux-Pas seit Schwimmhose in der Sauna, Blutooth-Boxen in der KVB oder Winde Lassen beim Herabschauenden Hund etc. aufgefasst. Die meisten Menschen hassen Fehler, und sie suchen trotzdem überall nach ihnen. So komisch!

Working, Slow, Köln

© Unsplash

Slow Working Space

Aber ich wollte ja eigentlich über Slow schreiben. Slow Working, genau genommen. Wir betreiben nämlich in Kölle keinen Co-Working Space mehr – das ist out. Wir sind jetzt ein Slow Working Space. Ist ja eigentlich nur Marketing, wenn man ehrlich ist. Ein neues Wort erfunden, uns die Domain gesichert. Alles! Somit surfen nun auch wir die trendig schäumende Welle der Achtsamkeit im Kontext der Arbeitswelt. Und es ist gut. Wir finden uns wieder in diesem Verständnis und vermeiden so dazu noch die sich so langsam selbst abdreschende Co-Working Phrase.

It's not the note you play that's the wrong note – it's the note you play afterwards that makes it right or wrong.

Duke Ellington

Alles kann, nichts muss

Im Übrigen hat Slow Working nichts mit langsamen Arbeiten oder Faulenzen zu tun. Eher so: Achtsam bei der Arbeit zu sein, im Bewusstsein, dass man Neues schafft. Kreiert. Verbindungen herstellt, wo vorher keine waren. Sachen bewegt die unbeweglich scheinen. Knöpfe drückt. Müll produziert. Müll zusammenkehrt. Baut. Zerstört. Wiederaufbaut. Lachen oder Weinen, die Tränen schmecken ja gleich.
Alleine, dass man als Menschliches Wesen in der Lage dazu ist zu arbeiten, sich zu bewegen, zu denken, zu fühlen – das ist nicht selbstverständlich. Und nicht jedem Wesen gegönnt. Deshalb definiert sich Slow Working auch durch eine bewusste Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die sich uns bieten. ‚Alles kann, nichts muss’ - steht ja immer an der Wand im Yoga Studio. Morgens in der Bahn und beim Kamps in der Schlange hört man trotzdem immer zu oft: ‚Ja, muss, neeee?!’ Da wird mir dann immer ein bisschen schlecht. ‚Hey, wie geeeeeeeht? Ja, Muss! Einmal laut gelolt und Brötchen geholt.

Working, Köln, Slow

© Unsplash

Ein Baum kommt nicht vom Fleck und leistet doch so viel

Ach ja: habt ihr schon den Titel dieses Artikels gelesen? Falls nicht, tut es jetzt und dann fragt euch: Ist Langsamkeit im Bezug auf das Arbeiten wirklich schlecht? Ist Wachstum für den Baum eigentlich anstrengend? Findet er es schwer? Ein Baum kommt nicht vom Fleck und leistet doch so viel. Und wir können uns nur deshalb von der Stelle bewegen, weil uns dieser Original Slow Worker den Sauerstoff zum Atmen schenkt. Ihr findet diesen Artikel vielleicht etwas unstrukturiert. Er ist in einem Guss, ohne Korrektur geschrieben. Er durfte wachsen wie ein Wald. Und Wälder gefallen uns ja eigentlich, trotzdem verbrennen wir sie andauernd. Diesen Artikel könnt ihr nicht verbrennen, denn ihr seid fortschrittlich papierlos – für die Wälder.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Oliver

Es kann sein, dass ihr Oli schon einmal hinter den Plattentellern euren Kölner Lieblingsetablissements gesichtet habt. Er ist nämlich ein absoluter Vinyljunkie. Das Arbeiten hat er in den letzten 10 Jahren sukzessive verlernt. Zugute kam ihm dabei die Tatsache, dass er seine Tätigkeit in den Bereichen Kunst, Kultur und Immobilien zumeist nicht als Arbeit sondern als Lebensaufgabe wahrnimmt. Oliver, den seine Freunde manchmal mit Spitznamen wie Öl, oder ‚der Ölige’ zu necken pflegen, betreibt zusammen mit seiner besten Freundin Katzumoto seit mehreren Jahren ein Zentrum für alternative Arbeitskultur namens Wertheim. Das Wertheim ist Slow Working Space, der so ist tickt wie Oli selbst.