Heute wollen wir euch ein ganz besonderes Projekt aus Köln vorstellen. ArtAsyl e.V. widmet sich seit 2015 der Integration von geflüchteten Menschen in Köln unter dem Leitgedanken „Kunst verbindet Kulturen“.
Durch regelmäßig stattfindende Kurse und Aktionen im Bereich der Kunst, Musik, Theater oder Kunsttherapie, soll geflüchteten Kindern und Jugendlichen das Ankommen in ihrer neuen Heimat erleichtert werden. Und das nicht nur wir die Idee hinter dem Verein gut finden, zeigt die gerade erhaltene Auszeichnung für sein soziales Engagement im Bereich von Integration und Migration von der Bundeskanzlerin höchstpersönlich. Wir haben uns mit den Jungs von ArtAsyl getroffen und über das spannende Projekt gesprochen.

Art Asyl Geheimtipp Köln Flüchtlinge Kunst Verbindet

© ArtAsyl e.V.

Geheimtipp Köln:
Wie seid ihr auf die Idee gekommen den Verein "ArtAsyl" zu gründen?
ArtAsyl e.V.:

Jérôme: Die Idee entstand einerseits als Reaktion auf die Entstehung von Pegida und andererseits als Beitrag zur 2015 entstehenden Willkommenskultur. Dabei wollten wir die vorhandenen Angebote um etwas ergänzen, das noch zu fehlen schien und zudem einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten kann. Die Kunst als Kulturen verbindendes Medium einte schließlich die unterschiedlichen Ideen und Überlegungen.

Jan: Ich bin einen Monat nach der Gründung dazu gekommen. Ich wollte mich engagieren und habe über einen Bekannten den Hinweis auf ArtAsyl bekommen. Mich hat der Grundansatz der kreativen Begegnung, der Kunst als Sprachersatz, überzeugt. Entscheidend war auch die Möglichkeit quasi von Tag 1 mitzuarbeiten und den Verein mitzugestalten.

Art Asyl Geheimtipp Köln Flüchtlinge Kunst Verbindet

© ArtAsyl e.V.

Geheimtipp Köln:
Was waren die größten Tücken und Hindernisse am Anfang eurer Arbeit!
ArtAsyl e.V.:

Jan: Anfänglich sicherlich die Gemeinnützigkeit zu erreichen, ernst genommen und nicht als Eintagsfliege wahrgenommen zu werden. Aber unser Glück war es 2015, dass viele Leute mitsprechen und helfen wollten. So konnten wir schnell die Projekte ausbauen und unser Projektportfolio erweitern. Wir hatten im Grunde genommen keine größeren Probleme, dafür aber viele wow-Erlebnisse.

Jérôme: Dem kann ich nur zustimmten. Bürokratisch mussten wir uns erst reinfuchsen und verstehen, wie wir unsere zunächst noch geringen Ressourcen möglichst gewinnbringend einsetzen können. Dabei wurden wir vollkommen überwältigt von dem großen Zuspruch, den wir erhielten. Sei es von Ehrenamtlichen, Unterstützern, aber auch unserer Zielgruppe, insbesondere den Kindern in den Projekten.

Werde Unterstützer!

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten ArtAsyl zu unterstützen: Als aktives Mitglied in unseren Integrations-Projekten oder als stiller Förderer durch einen regelmäßigen Beitrag.

Art Asyl Geheimtipp Köln Flüchtlinge Kunst Verbindet

© ArtAsyl e.V.

Geheimtipp Köln:
Was treibt euch an, dieses wunderbare Projekt immer weiterzuentwickeln?
ArtAsyl e.V.:

Jan: Ich bin der Meinung, dass aus jedem unserer Projekte etwas mitgenommen werden kann. Dabei kann es um die Verarbeitung von Fluchterfahrungen, das Erlernen eines Instrumentes oder das einfache Erfahren von Kunst und Kultur gehen. Die persönlichen Fortschritte aller Beteiligten, auch der Künstler*innen und unseres Teams zu sehen treibt mich an.

Jérôme: Die Diskussion um Integration wird in der Politik oftmals heruntergebrochen auf Sprache und Arbeitsmarktzugang. Ich glaube jedoch, dass zu einer solidarischen Gesellschaft, in der Menschen sich leicht integrieren können, noch deutlich mehr gehört. Kunst in das Leben der Menschen zu bringen bzw. sie über die Kunst zusammenzubringen und Begegnungen zu ermöglichen ist dabei ein Puzzle-Teil von vielen. Mich treibt es an diesen Ansatz einzubringen, weil der Staat uns diese Aufgabe nicht abnimmt.

Geheimtipp Köln:
Welches eurer Projekte hat euch besonders gut gefallen?
ArtAsyl e.V.:

Jan: Ich bin ein Fan von den Musikvermittlungsprojekten, aber gerade unser kunsttherapeutisches Projekt "Mal es Raus" muss ich hervorheben, da wir hier kunsttherapeutisch arbeiten und Kindern die Möglichkeiten geben an ihren Traumata zu arbeiten.

Jérôme: Ich möchte mich bei dieser Frage gerne enthalten, weil unsere Projekte alle auf unterschiedliche Weise ihre Wirkung entfalten. Aber Jan hat schon zwei sehr gute Beispiele ausgewählt (lacht).

Art Asyl Geheimtipp Köln Flüchtlinge Kunst Verbindet

© ArtAsyl e.V.

Geheimtipp Köln:
Wie war für euch der Empfang und die Ehrung im Bundeskanzleramt? 
ArtAsyl e.V.:

Jérôme: Ins Bundeskanzleramt eingeladen zu sein, war bereits eine große Ehre für uns. Die Auszeichnung dann auch stellvertretend für unseren ganzen Verein entgegenzunehmen, hat mir große Freude bereitet. Und ich muss auch gestehen, dass wir ganz schön nervös wurden, als die Bundeskanzlerin den Raum betreten hat.

Jan: Dass wir als Kölner Verein auf Bundesebene wahrgenommen wurden, war schon ziemlich besonders. Im Rahmen eines Wettbewerbs hatten wir uns durch unsere rasche Entwicklung professionalisiert und für den Empfang qualifiziert. 

Geheimtipp Köln:
Wie sieht die Zukunft für euer Projekt aus? Was sind die nächsten Ziele?
ArtAsyl e.V.:

Jérôme: Mit unserer derzeitigen ehrenamtlichen Struktur sind wir bei der Vielzahl der Projekte schon ziemlich ausgelastet. Daher wäre der nächste logische Schritt der Aufbau von hauptamtlichen Strukturen. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber ich denke in den nächsten Jahren sollte das unser Ziel sein. Wir wissen nun, dass unser Ansatz sehr gut funktioniert. Warum sollten wir die Idee also nicht noch viel weiter ausbreiten, damit der Ansatz von Kunst verbindet Kulturen künftig noch mehr Menschen erreicht.

Mathes

Mathes ist einer der beiden Gründer von Geheimtipp Köln und ist immer auf Entdeckertour in Köln unterwegs. Er liebt die Kölner Veedel und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.