Bouschong am Barbarossaplatz

Bouschong am BarbarossaplatzKlein, Fein und Regional

Seit Dezember 2018 versteckt sich just hinterm Barbarossalplatz ein ansehnliches, kleines Bistrot. Freut euch auf einen abwechslungsreichen und nachhaltigen Mittagstisch.

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© Bouschong

In Köln scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, den stadtweit schönsten Platz zum Verweilen zu küren. Verständlich: Kaum eine Stadt bietet seinen Bewohnern so viele öffentlich zugängliche Asphaltlandschaften, wie die Domstadt. Ganz hoch im Rennen um die Nummer eins unter den grauen Stadtoasen liegt zweifelsohne der Barbarossaplatz. Wer dort kurz innehält und die Augen zumacht, hört mit ein bisschen Fantasie statt einer fünfspurigen Einbahnstraße das Meer rauschen.
Spaß beiseite, der Barbarossaplatz verdient den Namen ‘Platz’ wie so viele Kreuzungen in Köln überhaupt nicht und wenn wir können, lassen wir den Ort schnellstmöglich hinter uns, falls uns nicht gerade von der überdimensionalen, penetrant orange pulsierenden KVB-Anzeigetafel erklärt wird, dass unsere nächste Linie 12 leider erst in 38 Minuten abfährt.

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© Bouschong

Idylle im Schatten des Barbarossaplatzes

Überrascht wird jeder, der zum ersten mal im Bouschong sitzt und aus einem der großen Ladenfenster schaut. Der oben beschriebene Ort ist kaum einen Steinwurf entfernt und doch befindet man sich in diesem idyllischen Ecklokal gefühlt sehr weit weg vom Trubel der Innenstadt. An einem sonnigen Tag ist der Laden von morgens bis abends mit Licht durchflutet.

“Wir haben lange nach einem Lokal wie diesem gesucht”, erklärt mir Markus. “Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Am Ende konnten wir dieses Lokal übernehmen, in dem früher das ‘Garten Eden’ war. Die sind ins Belgische Viertel umgezogen und haben sich vergrößert. Die Chance haben wir genutzt.”
Tim und Markus sind gemeinsam Eigentümer des Bouschong. Eigentlich ist Markus Betriebswirt und Elektriker, die Gastro hat ihn allerdings viel mehr fasziniert. Während der letzten Jahre hat er im Café Sehnsucht in Ehrenfeld gearbeitet, wo er schließlich Küchenchef Tim kennenlernte.

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© Bouschong

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© Bouschong

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© Bouschong

Essen mit Sinn und Verstand

Während eines Urlaubs in Frankreich kamen die beiden dann auf den Trichter, etwas gemeinsames aufzuziehen. Daher stammt auch der Name “Bouschong”:
“In Lyon sind so genannte Bouchons in vielen Vierteln zu finden,” erklärt Markus. “Sie bieten einfache, aber gute regionale Gerichte an. Genau so etwas wollten wir dann auch machen. Den Namen haben wir eingekölscht - das Konzept ist aber ähnlich.”
Der regionale Bezug ist den beiden “Jungunternehmern älteren Datums”, als die sie sich selbst bezeichnen, enorm wichtig, besonders was die Herkunft der Produkte angeht. Sie möchten nicht das Rad neu erfinden, sondern Traditionelles in ihrem Stil auf den Teller bringen und dabei auf die Qualität achten. Als Einkäufer in der Bauernrunde, einem Projekt, dass Gastronomen und regionale Erzeuger näher zusammenbringen soll, wissen sie immer genau wo Ihre Produkte herkommen. Die Aufmerksamkeit, die sie der Auswahl schenken, spiegelt sich bis ins kleinste Detail wieder. Das Brot wird selbst gebacken, das Take-Away gibt es nur in aus Zuckerroher produzierten Verpackungen und die aufkommende Mietbecher-Kultur unterstützen die beiden sehr.

Bodenständig und ehrlich

Ein Blick auf die sich wöchentlich ändernde Karte verrät außerdem, dass es sich beim kulinarischen Angebot um bodenständige, “ehrliche” Gerichte handelt: Da findet sich zum Beispiel ein Risotto mit geschmorrtem Simmentaler Rind, roter Beete und Gremolata unter einer Maishänchenbrust mit Steckrüben-Mohncurry und gebratenen Kartoffeln.
Tim kocht dabei saisonal, klassisch und gemüselastig. “Im Winter kann es dann mal keinen Kopfsalat geben,” sagt er. “Schließlich bekomme ich den nicht von hier.”
Tim hat viel Erfahrung in der Küche. Ursprünglich stammt er aus Wuppertal, hat aber unter anderem schon in Sydney und London gearbeitet. “Es freut mich, in unserem Laden nun noch freier entscheiden zu können, was wir auftischen möchten”, sagt er.
Dabei kombiniert er natürlich Vertrautes mit neuem: “Ein ordninärer Spitzkohl schmeckt auch mit Kreuzkümmel und Kardamon sehr gut.” Trotzdem möchte er nicht abheben. “Wir wissen schon, dass es auch ein Klientel zu bedienen gibt, denen zu viel neues auch schnell zu viel werden kann”, sagt er schmunzelnd.
Das Bouschung steckt noch in seinen Kinderschuhen, trotzdem lässt sich jetzt schon erkennen mit wieviel Herzblut die beiden hinter ihrem Projekt stehen. Geöffnet hat der Laden Montags bis Freitags von 10:00-17:00. Schaut vorbei, lasst euch von Tim bekochen und euch überraschen, was mit Zutaten aus unserer Umgebung so alles zu kreieren ist.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Sid

Sidney hat einen Vater aus Sydney, er selbst jedoch erblickte in der Rheinmetropole Duisburg das Licht der Welt. Da ihn die Miete im Belgischen Viertel allein schon arm macht, verbringt er als geisteswissenschaftlicher Student der Uni Köln am liebsten Zeit an Orten, die ihn wenig kosten und trotzdem Spaß machen.