Brigittes Büdchen

Brigittes BüdchenDas allercoolste Büdchen der Welt

Es ist schon ein kleiner Menschenauflauf, der sich am Nachmittag des 29. März 2018 auf dem Gehweg vor der Merowingerstraße 73 in der Südstadt versammelt hat. Hier hat in der letzten Woche eine so großartige Hilfsaktion stattgefunden, dass sie nicht nur uns Kölner begeistert, sondern auch die überregionale Presse angelockt hat.
Innerhalb weniger Tage haben die Nachbarn und Veedelsbewohner einen Kiosk und seine Besitzerin vor dem Aus gerettet, eine Rundumerneuerung ermöglicht und Starthilfe mit einem Konzept für die Zukunft des Büdchens gegeben.

© Facebook

Alle für eine!

Die 73-jährige Brigitte Schmitz, die ihren Kiosk in der Merowingerstraße seit 26 Jahren führt, wurde nach mehrmaliger ausbleibender Zahlung der Miete, der Mietvertrag für die Räumlichkeiten ihres Kiosks fristlos gekündigt. Durch eine Nachbarin und Freundin erfuhr der Pfarrer der Lutherkirche in der Südstadt, Hans Mörtter, von dem drohenden Ende des Büdchens, der seinerseits später nicht nur aus eigener Tasche Brigitte bei der Zahlung der Mietrückstände von über 6000€ mit unterstütze, sondern vor allem den Südstadtgastronom  und Vorsitzenden der KG Ponyhof, Daniel Rabe, um Mithilfe bat.
Dieser startete am Samstagmorgen einen Aufruf auf seiner Facebookseite und wandte sich an die Kölner um Brigittes Rausschmiss gemeinschaftlich zu verhindern und „das allercoolste Büdchen der Welt“ daraus zu machen. Der Mann brauchte nur 24 Stunden um alle Punkte auf der SOS-Liste abzudecken - von finanzieller Hilfe um die ausstehenden Mietkosten zu begleichen, über Sponsoren und Erstbestand für Getränke und Süßwaren bis zu neuem Fußboden, einem Ladenschild und jeder Menge handwerklicher und körperlicher Einsatzkraft. Von Montagmorgen bis Mittwochabend waren im Büdchen sozusagen die Kölner Heinzelmännchen am Werk, 20 fleißige und engagierte Helfer verlegten neuen Boden, gaben den Wänden einen neuen Anstrich, sorgten für neues Interieur und Dekoration.

Großes Re-Opening

Bei der Wiedereröffnung am Donnerstagnachmittag, nachdem der Mietvertrag offiziell erneuert wurde, erstrahlt das Büdchen in der Kölner Frühlingssonne. Hingucker sind mit Sicherheit das neue Ladenschild und die großen, mit Weingummi und Lakritz gefüllten Bonbongläser auf der Fensterbank. Wenn man eintritt, weiß man gar nicht wohin man bei dem riesigen Warenangebot zuerst gucken soll, es gibt nicht nur die typischen Süßigkeiten, Tabakwaren und Getränke, sondern auch Lebensmittel, Hygieneartikel und lokale Produkte sind zu entdecken.
Tante-Emma-Laden trifft es jetzt wohl eher als Kiosk, der Look ist irgendwie urig und retro, nicht nur durch die liebenswert dreinschauende, kleine, weißhaarige Besitzerin Brigitte. Das Interieur ist ein bunter Mix aus modernem, stylischen Design und Retro-Objekten, gespickt mit Pflanzen und farbigem Krimskram.

„Ein Unding ist, dass die kleinen Läden, die schon immer da waren, dicht machen müssen, und die großen Ketten eine Filiale nach der anderen eröffnen“

Nachbar

One Love, One Hood

Während draußen die fleißigen Helfer stehen und erste Nachbarn eintreffen, wird Brigitte drinnen von einem RTL Team mit der Kamera begleitet, wie sie Kunden bedient,  ihre Ware begutachtet und kleine Schönheitskorrekturen im Sortiersystem vornimmt. Brigitte fühlt sich hinter ihrem alten Tresen, der natürlich im Laden bleiben durfte, sichtlich am wohlsten und blüht auf, als sie zwei junge Männer aus der Nachbarschaft bedient, die schon als Kinder bei ihr einkaufen kamen. Die beiden beschweren sich, dass es „ein Unding ist, dass die kleinen Läden, die schon immer da waren, dicht machen müssen, und die großen Ketten eine Filiale nach der anderen eröffnen“. Eine Nachbarin die noch nie vorher im Büdchen war kommt mit dem Rad vorbei, schüttelt Brigitte herzlich die Hände und versichert, demnächst öfter vorbeizukommen. Während sie überschwänglich das gelungene Nachbarschaftsengagement lobt und sich sichtlich für Brigitte mitfreut, steht nicht nur der Büdchen-Inhaberin das Wasser in den Augen.

Gegen Abend ist aus der kleinen eine große Menschentraube auf der Straße geworden. Das Veedel versammelt sich nach und nach am Büdchen und feiert die gelungene Neueröffnung und sich selbst - zurecht!

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.
Marleen

Marleen ist in Nippes zu Hause, schreibt gern über ihr Veedel, Mädchenkram, die grünen Seiten von Köln und alles was mit Kindern zu tun hat. Immer für vegetarische Köstlichkeiten, ein gutes Buch oder Feierabend-Bierchen im Park zu haben.