Das Studium ist die wundervollste Zeit!

Das Studium ist die wundervollste Zeit!...aber das neue Hochschulgesetz sorgt bei Studenten für Kummer und Sorgen

Die ersten haben sich schon eingeschrieben, andere warten und hoffen noch auf einen Studienplatz an der Universität zu Köln. Langsam wird es für viele Erstsemester ernst – die Unterlagen sind in der Uni eingereicht, die Wahl des Studiums damit längst getroffen, wenn auch nur aus einer Laune heraus, oder aus höchst ambitionierten Gründen der Arbeit an einer wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft. Nun beginnt die Zeit des Verabschiedens von Schulkameraden und Freunden aus der Heimat, die heiße Phase der Wohnungssuche beginnt und die Aufregung, wie das neue Leben wohl aussehen wird, steigt.

Universität Statue Hauptgebäude Gebäude

© Celina Albertz

Das Studentenleben

Viele, ja ich möchte fast sagen, alle erzählen gern von der schönsten Zeit ihres Lebens – der Zeit als Student.
Zwar ist das Studium inzwischen oft mit der Führung eines Nebenjobs verbunden, der die horrenden Kosten der Mieten in Köln tragen muss, aber wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wir haben die Freiheit uns erst einmal täglich zu betrinken, um auf unser neues Leben klar zu kommen. Genügend Studentenparties gibt es auf jeden Fall in der Stadt. Wir lernen neue Menschen kennen, die ebenso planlos wie wir selbst in die ersten Vorlesungen stolpern, nicht wissend, dass die römischen Zahlen über den Räumen nicht wortwörtlich auszusprechen sind, sondern eben für Zahlen stehen. Wir sitzen im Hörsaal und fragen uns, was der alte Typ da vorne eigentlich redet und warum er so eine unfassbar einschläfernde Stimme hat. Wir sitzen in der Bibliothek und starren in die Luft, weil wir eigentlich gar nicht mehr wissen, wie man sich länger als fünf Minuten auf ein Medium konzentriert.
Essen tun wir meist in der Mensa. Das Essen ist zwar nie gut, aber wir haben eine riesige Auswahl zu einem unschlagbaren Preis. Danach gehen wir schön Bierchen auf dem Mäuerchen trinken und philosophieren über das Leben, das wir gerade erst beginnen.
Zum Ende des ersten Semesters merken wir dann, – wie alle anderen – dass auch wir eigentlich gar nicht gelernt haben und nun innerhalb von wenigen Tagen das Wissen von drei Monaten in uns hineinprügeln müssen.

Schild Gebäude Zahlen

© Celina Albertz

Neuerungen im Studium

Nachdem das Hochschulgesetz von 2014 uns zuletzt auch innerhalb der neuen Hochschulkonzepte Bachelor und Master zugestand, selbst entscheiden zu können, wie wir unser Studium planen bzw. ob wir die Zeit und mentale Kraft haben die belegten Veranstaltungen kontinuierlich zu besuchen, brechen nun offensichtlich wieder ganz andere Zeiten an.
Nicht nur der all zu wichtige ‚Sprittwoch’ und der ‚Freitag ist High Tag’, sind bedroht, nein, auch die Autonomie der Studenten wird dadurch aufs Neue angegriffen. Die Wiedereinführung von Anwesenheitspflichten und neuen Studienverlaufsvereinbarungen an der Universität zu Köln, fördern das Unbehagen bei den Studenten. Unter anderem können Studenten zu Beratungsgesprächen verpflichtet werden, bei denen bspw. hinterfragt wird, warum man dem Studium hinterherhinkt und bei denen Maßnahmen zur Einhaltung der Regelstudienzeit getroffen werden. Die Einhaltung von Fristen, und die Organisation des Studiums, wird dann noch extremer – vor dem eigentlichen Wissenserwerb – in den Vordergrund treten. Der Allgemeine Studierendenausschuss (ASTA) sieht unsere demokratische Mitbestimmung zu Recht untergraben und kritisiert das neue Hochschulgesetz der schwarz-gelben Landesregierung.
Gestand uns die rot-grüne Landesregierung 2014 noch einige Rechte zu und verschaffte uns die Abkehr von Massenveranstaltungen, heißt es jetzt wieder mehr Pflichten, weniger Rechte!

Hörsaal mit Sitzen in Saal

© Celina Albertz

Ein Erfahrungsbericht

Ich habe selbst so lange studiert, dass ich so einige Veränderungen der universitären Systems mitbekommen habe. An insgesamt drei Universitäten durfte ich Studiengebühren von über 700€ pro Semester zahlen, als es diese noch gab. Ich durfte Tausende von Formularen ausfüllen, Studienverlaufspläne studieren, Modulhandbücher lesen, mich durch die Campusmanagement Plattformen wie Klips2 kämpfen, und meine Semesterkurse belegen und koordinieren. Ich durfte in Sprechstunden sitzen, in dem mir der Studienberater sagte, dass er auch nicht wisse, ob ich die Prüfung nun für mein Studium in meiner PO (Prüfungsordnung) schreiben müsse.
Ich durfte mein Autogramm auf viele riesige Listen schreiben, um meine Anwesenheit während einer Vorlesung zu bestätigen und in manchen Fällen noch einmal zum Ende der Veranstaltung, da doch zu viele gelangweilte Studenten vor Ende den Zwangsunterricht verließen, was dem Dozenten gar nicht passte. Ich durfte sogar in Seminaren sitzen, in denen die Professoren schimpften: „Es gibt zwar offiziell keine Anwesenheitspflicht mehr, aber ich behalte Sie alle im Auge. Wenn sie mehrfach nicht erscheinen, werde ich es mitbekommen.“ Meinen Namen erfuhr diese Professorin allerdings erst etwa im dritten Semester meines Masterstudiums.

Gebäude der Universität

© Celina Albertz

Ein Fazit

Schon immer gab es harsche Kritik am Bachelor- und Mastersystem, vor allem die Unflexibilität des Studienverlaufs machte es für viele Studenten so unattraktiv – mal davon abgesehen, dass ein Magister und Diplom Abschluss sowie ein Staatsexamen höher angesehen waren. Studienordnungen ändern sich so häufig, dass man meist im nächsten Semester nicht mehr weiß, ob es noch Sinn macht, die lange vor sich her geschobene Hausarbeit abzugeben, da sie womöglich längst nicht mehr die versprochenen Credit Points wert ist.
Hat man in einem Semester vergessen eine bestimmte Veranstaltung zu belegen, oder hat nun mal einfach keine Lust auf die einzige Veranstaltung, die in diesem Modul angeboten wird, kann es schon mal sein, dass dieses obligatorische Seminar erst wieder in zwei Semestern angeboten wird, wissen tut man es aber vorab meist nicht.
Es gibt so einige negative Aspekte, die angesprochen werden müssen. Ich beende dieses Fazit jedoch trotz allem mit der Aussage, dass das Studium die schönste Zeit meines Lebens war! Ich habe viele tolle, kluge Menschen kennengelernt, ich habe viel getrunken und gefeiert, ich habe mich selbst immer wieder positiv überrascht und ich habe unfassbar viel gelernt. Die Universität ist eine Institution des Wissens, die dich vieles lehrt und dir gleichzeitig doch ein Stück Freiheit gibt, dich selbst zu finden.

Jill

Ich tue nichts lieber als Köln zu entdecken; die kulturellen Veranstaltungen, die innovativen Ideen und das interessante Stadtbild zu studieren und nachts in der Stadt zu chillen, oder zu lauter Musik zu tanzen. Das ist Köln für mich – ein Ort, den es sich lohnt zu entdecken!