Der Shaolin von Kölle

Der Shaolin von KölleInterview mit Großmeister Shi Yan Po

Köln ist nicht gerade für seine asiatische Kampfkunst bekannt! Trotzdem zog es den Shaolin Großmeister Shi Yan Po in unsere wunderschöne Domstadt. In seiner Kungfu-Schule bringt er den Kölnern traditionelle Kampfkünste und die dazugehörigen Entspannungstechniken bei. Was hier anders ist, als in dem legendären Shaolintempel in Henan und was er alles so in seiner Kung Fu Schule in Bayenthal erlebt, verrät uns  Shi Yan Po im Interview!

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© Großmeister Shi Yan Po

Geheimtipp Köln:
Was verschlägt einen Shaolin-Großmeister nach Köln?
Shi Yan Po:

Köln gehört zu den größten und berühmtesten Städten Deutschlands. Die Stadt ist bekannt für ihre kulturelle Offenheit und Toleranz. Viele unterschiedliche Kulturen leben hier friedlich zusammen. Darum bin ich hierhergekommen, um eine Shaolin-Kungfu-Schule und ein Kulturzentrum aufzubauen. Abt Shi Yong Xin aus dem Shaolin-Muttertempel in Deng Feng hat mich damit offiziell beauftragt.

Geheimtipp Köln:
Wie haben die Leute in Köln am Anfang auf dich reagiert und wie groß war das Interesse an deiner Arbeit?
Shi Yan Po:

Am Anfang war es natürlich schwer. Bevor ich nach Köln kam, war ich aber schon vier Jahre in Deutschland, sodass ich mit Sprache und Kultur schon vertraut war. Das hat geholfen. Zuerst habe ich Räume gesucht und dann einige Kurse gestartet. Ich musste mein Angebot dann erst einmal bekannt machen.  Die Leute hatten von Beginn an großes Interesse, denn das Training ist gut für die Gesundheit. Es stärkt den Körper und hilft Stress abzubauen.  Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und auch meine Webseite kamen dann immer mehr Leute zu mir.

Geheimtipp Köln:
Was sind die größten Unterschiede zwischen deinen Schülerinnen und Schülern in Köln und denen, die du zum Beispiel in Australien unterrichtet hast?
Shi Yan Po:

Es gibt eigentlich keinen großen Unterschied. Wenn die Leute die Shaolin-Kultur wirklich kennenlernen wollen, haben sie alle großes Interesse und viel Motivation zu lernen. Da unterscheiden sich die Deutschen nicht von den Australiern. Meine Schülerinnen und Schüler in Köln sind sehr konzentriert. Sie sind mit Herz und Seele bei der Sache.

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© Großmeister Shi Yan Po

Geheimtipp Köln:
Du warst mit deiner Kunst auch auf Welttourneen unterwegs. Wie war das so?
Shi Yan Po:

Ich hatte in der Zeit sehr interessante und bereichernde Erlebnisse. Ich habe viele neue Kulturen und offene Menschen kennengelernt und konnte ein größeres Verständnis für die Welt entwickeln. An diesen Erfahrungen bin ich gewachsen. Sie helfen mir noch heute dabei, meinen Unterricht gut zu gestalten.  So eine Welttournee ist aber auch anstrengend. Manchmal hatten wir zweimal täglich eine Show. Das war körperlich sehr herausfordernd. Es hat aber auch großen Spaß gemacht und mir viel Selbstvertrauen geschenkt.

Geheimtipp Köln:
Was willst du deinen Kungfu-Schülern in deinem Unterricht mit auf dem Weg geben?
Shi Yan Po:

Das Wichtigste ist eine gute Gesundheit. Kungfu ist harte Arbeit. Es erfordert eine hohe Konzentration – körperlich und geistig.  Das Leben ist manchmal schwer, aber durch das Training werden wir ausgeglichener und ruhiger. Wenn wir Kungfu trainieren und diese harte Arbeit erleben, erkennen wir Parallelen zu den Herausforderungen in unserem Leben. Mit dem Training möchte ich meinen Schülern Ruhe und Ausgeglichenheit mit auf den Weg geben. Sie sollen sich weder von den extrem guten noch den extrem schlechten Dingen im Leben aus der Bahn werfen lassen, sondern eine stabile Balance in der Mitte finden. Das hilft dabei, den Aufgaben des Lebens gelassener entgegenzutreten. Es ist mir wichtig, dass sie lernen, sich zu öffnen, weniger egoistisch zu denken und mehr auf ihr Herz zu hören – und dass sie dann einen glücklichen Weg gehen.

Geheimtipp Köln:
Was muss man tun um an deinen Unterricht teilzunehmen?
Shi Yan Po:

Im Prinzip kann jeder teilnehmen, der die Shaolin-Kultur kennen lernen und Kungfu trainieren möchte. Es braucht keine Vorkenntnisse. Willkommen sind natürlich alle Kulturen und Religionen und Menschen jeden Alters. Alle Infos finden sich auf meiner Webseite!

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© Großmeister Shi Yan Po

Geheimtipp Köln:
Was sind für dich die nächsten Schritte beim Aufbau der Shaolin Kung Fu-Schule und -Kulturzentrum in Köln?
Shi Yan Po:

Ich suche immer noch nach eigenen Räumlichkeiten.  Wenn ich die gefunden habe, weite ich mein Angebot aus. Ich werde zum Beispiel mehr Meditation und QiGong anbieten. Ich möchte mehr Angebote zum Zen-Buddhismus machen und auch die chinesische Medizin in den Fokus rücken. Mein Traum ist es, irgendwann einen Shaolin-Tempel in Köln aufzubauen.

Geheimtipp Köln:
Wie läuft so eine Prüfung zum Großmeister eigentlich ab?
Shi Yan Po:

Der Buddhismus hat sehr strikte Regeln für diejenigen, die Meister werden wollen: Man muss an den Buddhismus glauben, und freiwillig und ernsthaft an einer Bekenntnisfeier teilnehmen. Ein künftiger Meister muss ein gutmütiges und wohlwollendes Herz haben, er muss immer bereit sein, anderen zu helfen, und sich diesem Ziel widmen. Um ein Meister zu werden, musst man eine freie Person sein: Die Eltern müssen einverstanden sein.
Wenn derjenige verheiratet ist, muss er sich scheiden lassen, wenn er bei der Regierung arbeitet, muss er kündigen, usw.. Und er muss natürlich auch zwei bis drei Jahre im Tempel gelebt haben. Ansonsten muss er noch einen gesunden Körper haben, er darf keine Straftaten begangen haben und keine Schulden haben. Um buddhistisches Wissen zu lernen, muss man an einem Früh- und einem Abendkurs teilnehmen. Die buddhistische Literatur muss auswendig gelernt werden. Außerdem muss man vieles über die Shaolin-Kultur, das Kung-Fu, die Meditation und die buddhistische Medizin wissen. Schließlich muss man auch die Zustimmung des Abtes haben, bevor man den Meister-Test ablegen kann.

Alle oben genannten Voraussetzungen sind notwendig, um Meister zu werden.

Ein Meister muss die buddhistische Disziplin verstehen, und er muss sich in drei Disziplinen beweisen. Die erste Disziplin ist der Samanera-Disziplin; die zweite ist die Bodhisattwa-Diszplin und die dritte ist der Bhikkhu-Ring. Für die jede Disziplin gibt es eine Zeremonie, erst nach den drei Zeremonien kann man zu einem Meister werden.

Der Prüfungsprozess dauert einen Monat, die Prozedur ist sehr kompliziert. Ich erkläre es hier nur einfach: Jeden Tag um 4 Uhr morgens muss man schon aufstehen, man setzt sich mit der buddhistischen Literatur auseinander, man verehrt Buddha kniefällig, man übt die Etikette und die Disziplinen bis 22 Uhr am Abend. Drei Nächte hindurch muss man bei klarem Verstand bleiben. Um die einmonatige Prüfung zu bestehen, braucht es viel Ausdauer, Selbstvertrauen und einen guten Körper. Viele fallen in der Prüfung durch. Bei der abschließenden Beurteilung erscheinen zehn hochrangigen Mönchen als Prüfer, alle sind Äbte von verschiedenen Klöstern oder Meister des Buddhismus. Die Zeremonie ist großartig.

Die Prüfer beschließen, ob der Kandidat die Master-Prüfung besteht. Zum Schluss wird zusammen mit dem „National Religious Affairs Bureau“ wird das Zeugnis verleihen.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Mathes

Mathes ist einer der beiden Gründer von Geheimtipp Köln und ist immer auf Entdeckertour in Köln unterwegs. Er liebt die Kölner Veedel und ist immer auf der Suche nach schönen Märkten und neuen Food Ideen.