Der Weinladen in der Südstadt

Der Weinladen in der SüdstadtVon vergorenem Traubensaft in schönen Flaschen

Sebastian kommt aus Bayern. Das hört man. “Regenschburg”, sagt er, während wir beim zweiten Glas Wein sind. Wie lange er schon in Köln sei? “Zwei Jahre. Vorher habe ich bei einem Weingroßhändler gearbeitet. Im Sales. Nichts für mich”, gibt er zu. Gut eingelebt? “Die Kölner machen es einem sehr einfach”, sagt er, “hier reden die Leute gern miteinander. Im Norden und im Süden sind sie da schon etwas kühler unterwegs.” Sebastian ist Gastgeber und Sommelier des neun Weinladen in der Kölner Südstadt.

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© Geheimtipp Köln | Sidney Terbrüggen

"Die Kölner machen es einem sehr einfach - hier reden die Leute gern miteinander. Im Norden und im Süden sind sie da schon etwas kühler unterwegs!"

Sebastian | Weinladen

Als Weinbetriebswirt hat er seinen Bachelor in Heilbronn gemacht. Den Witz, ob er sich das Hobby zum Beruf machen wollte, sparen wir uns. Aber ganz drum herum kommen wir doch nicht: “Wein hat sich irgendwie als roter Faden durch mein Leben gezogen,” sagt er und schmunzelt. “Ich bin im Weinanbaugebiet aufgewachsen, meine Eltern trinken quasi nichts anderes und als ich später in Neuseeland war, habe ich auf einem Weingut gearbeitet. Das hat mir verdammt gut gefallen. Danach war die Entscheidung für mich klar. Ich habe mich von da an dem Wein verschrieben.”

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© Geheimtipp Köln | Sidney Terbrüggen

Mediteraner Flair

Ein bisschen paradox, aber in der Gastro selbst hat Sebastian noch nicht viel Erfahrung gesammelt. Dafür macht er sich hinter der schlicht gehaltenen Bar überraschend gut, wirkt unangestrengt, gelassen. Tagsüber liegt der Fokus auf dem Verkauf der Weine, später dann zieht mit den Kunden eine gemütliche Atmosphäre ein. Alle Tische auf der kleinen, zwei Parkbuchten messenden Terrasse sind an diesem wohl letzten, sommerlichen Abend des Jahres besetzt und auf jedem Tisch stehen ein bis zwei Weinflaschen mit originellem Label. Dazu Brotzeitplatten mit Käse, Schinken und Früchten. “Der Käse kommt direkt hier vom Markt am Eigelstein”, berichtet Sebastian, “und das Fleisch beziehen wir von Stephanies Vater. Er ist Metzger.” Stephanie ist die Gründerin des Weinladens in Hamburg. Dort sprudelt das edle Nass schon seit vier Jahren und mit Köln kommt nun der zweite Weinladen dazu.

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© Geheimtipp Köln | Sidney Terbrüggen

Vergorenen Traubensaft abgefüllt in schönen Flaschen

Sebastian betitelt ihn als “Spinoff”. Er sieht nicht genauso aus, wie der in Hamburg, der Weinladen ist kein Franchise und auch nicht der Beginn einer großen Kette. “Es gibt viele Gemeinsamkeiten und wir treffen eine ähnliche Auswahl, was unsere Winzer angeht. Die meisten sind jung, haben Bock, etwas auszuprobieren und achten vor allem darauf, was sie mit ihrer Umwelt tun. Nachhaltigkeit muss sein, sonst sind die Berge und die Böden bald für gar keinen Wein mehr zu gebrauchen. Dabei ist es natürlich am besten, wenn man die Winzer persönlich kennt.” Sebastian tippt auf das Label des Weißburgunders vor uns. Darauf steht: K.Wechsler. “Bei Katharina zum Beispiel saß ich schon im Garten.”

Sebastian wird nicht müde, laienhafte, zunehmend gelallte Fragen zu seinen Weinen zu beantworten. Fällt es schwer, zu beschreiben was man eigentlich möchte, springt er mit den richtigen Adjektiven in die Bresche. “Du willst einen fetten Roten”, stellt er fest. Wie lange es denn dauere, sich das entsprechende Fachjargon anzueignen, also, um den Geschmack von Wein richtig zu erklären? Er zuckt mit den Schultern. “Das lernt man eigentlich gar nicht,” sagt er. “Das kommt schnell von allein. Da kann man sich bestimmt mit schmücken, aber am Ende beschreiben wir so oder so alle vergorenen Traubensaft abgefüllt in schönen Flaschen.”

Tolle Auswahl

Vergorenen Traubensaft abgefüllt in schönen Flaschen

Im Weinladen in Köln finden sich circa 150 Weine von 100 verschiedenen Winzern. Überraschend ist die Preisspanne. Der Großteil der Weine liegt zwischen bescheidenen 8 bis 18 Euro und der größte Ausreißer ist mit 75 Euro der Champagner. Wer nicht gleich die ganze Flasche möchte, trinkt im Weinladen jedes (üppig gefüllte) Glas für 5 Euro. Das macht die Sache einfach und lässt den Pegel schnell steigen.
Sowohl die Bar, als auch der hintere Bereich laden zum Verweilen ein, in ruhigem Ambiente.  „In Zukunft kann es meinetwegen aber auch gern mal lauter werden,” sagt Sebastian.  „Die Wohnung oben drüber haben wir aus diesem Grund gleich mit angemietet. Musik fänd ich sehr gut. Ab und an eine Raggae, oder Jazz Nacht, irgendwas in der Richtung.”
Bei der Südstadt-Safari und beim Kneipen-Marathon ist der Weinladen bereits am Start. Darüber hinaus soll er auch für Seminare, Weihnachtsfeiern, Firmenveranstaltungen und dergleichen zu mieten sein. Logisch, der Experte ist ja ohnehin täglich vor Ort.

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© Geheimtipp Köln | Sidney Terbrüggen

Fazit

Der Weinladen in der Südstadt ist eine schöne, neue Option in Köln, einen Abend außer Haus zu verbringen. Die guten Preise, die gekonnt selektierte Weinauswahl und die Stimmung scheinen keine direkte Zielgruppe zu triggern, wichtig ist allein, dass man auf Wein steht. Und selbst wenn eigentlich nicht, ist es ein guter Ort, um sich des besseren belehren zu lassen.

  • Trinken?

    Wein natürlich! Aber es gibt auch ausgewählte andere Drinks zu genießen

  • Essen?

    Beste Brotzeitplatten mit Käse, Schinken und Früchten

  • Preis?

    Die Weine liegen zwischen 5 und 20 Euro. Aber 80 Prozent der Weine liegen unter 10.

  • Mit wem?

    Hier könnt ihr mit allen hingehen, mit denen ihr einen entspannten (trinkfesten) Feierabend oder Start ins Wochenende verbringen wollt.

  • Was trinken?

    Fragt das Team! Ihr dürft euch bestens beraten lassen und probieren. Euch schmeckt's nicht? Das kann nicht sein. Sebastian und sein Team finden den richigen Wein für euch!

  • Wann?

    Ab 14 Uhr ist der Laden offen. Und Wine o'clock ist ja immer...

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden. Der Weinladen hat uns zum Wein eingeladen, was unsere Meinung in keiner Art beeinflusst hat!
Sid

Sidney hat einen Vater aus Sydney, er selbst jedoch erblickte in der Rheinmetropole Duisburg das Licht der Welt. Da ihn die Miete im Belgischen Viertel allein schon arm macht, verbringt er als geisteswissenschaftlicher Student der Uni Köln am liebsten Zeit an Orten, die ihn wenig kosten und trotzdem Spaß machen.