Die Kölner Club- und Partyszene

Die Kölner Club- und PartyszeneFrüher war alles besser! Oder?

Früher war alles besser! Standardspruch? Oder wirklich wahr? Gerade die elektronische Partyszene scheint in Köln seit Jahren zu wachsen. Rock n Roll und Indie Parties waren gestern, auch die immer gleichen Pop Parties sind irgendwann langweilig und man sucht nach etwas Neuem, etwas Aufregendem, etwas.... wenn man so will... Erwachsenerem. Vor allem der Techno hat an Beliebtheit zugelegt und DJs wie Yetti Meissner, Sonja Kruse, Charlotte de Witte und generell alle Berghain Residenten locken inzwischen so viele Partykids an, dass man in den Clubs nicht mehr tanzen kann. Es ist einfach zu eng, zu heiß und dafür dann nicht laut genug – es ist ein Desaster!

Club Köln Odonien

© Jill Gräb

Kein Platz zum Tanzen

Wer wie ich in den letzten Jahren in der Technoszene Kölns unterwegs war, der hat den Hype bemerkt. Gäbe es genug Clubs in der Stadt und vor allem Clubs mit einer gewissen Kapazität, dann wäre der Hype ja gar kein Problem. Aber das Clubsterben sorgt dafür, dass es in den Clubs, die es in Köln noch gibt, ein Krieg um den Platz auf der Tanzfläche herrscht. Im Gewölbe ist ein Durchkommen in die „Halle“ bei manch bekanntem DJ fast nicht möglich. Im Odonien ist es nicht anders. Spielt ein namenhafter Künstler, dann weiß man schon, dass man am besten vor 2, oder ab 6 Uhr morgens kommt, sonst heißt es „Einlassstopp“ oder heftige Drängelei auf der Tanzfläche. Als ich letzten Sommer mit Freunden bei Monolink im Odonien war, quetschten wir uns, wie bei einem Teenie Konzert durch die Masse, in der Hoffnung, dass es in der letzten Ecke des Clubs doch noch ein Plätzchen zum Tanzen geben würde.... dem war nicht so. Nach minutenlangem Geschunkel, gepresst an alle Menschen, die mich umgaben, verschwitzt und mit leicht panischen Gefühl der Enge, gab ich schließlich auf und fand in dieser Nacht auch nicht mehr in den Raum zurück. Das ist inzwischen mein standardisiertes Partywochenende in Köln. Aber kann es das sein?

Streetart Köln

© Jill Gräb

Wo sind die ganzen Clubs hin?

Wer bereits länger in Köln lebt, der erinnert sich noch an großartige Clubs. Redet man mit jungen Kölnern über die Clubszene von damals, dann kommt immer der gleiche Satz: „Weißt du noch.... die Papierfabrik?!“ Die Partylocation in Ehrenfeld war kurze Zeit Kölns ganzer Partystolz; zwar war der Tod des Clubs schon bei seiner Geburt besiegelt, trotz allem kämpften die Fans und Anhänger 2011 bis zum Schluss gegen den Abriss der Halle. Es war unser kleines Berlin! Im gleichen Zug musste auch der anliegende Sensor Club Mehrfamilienhäusern weichen. Auch der Drum n Bass Club Bogen 2 schloss hinter dem Hauptbahnhof (jedoch eher unbemerkt) seine Pforten. Den aus gestapelten Überseecontainern bestandenen Outdoor Club Schrebergarten, der an das Gelände des Odoniens anschloss, gab es nur zwei Sommer lang, da es dem Betreiber an Genehmigungen fehlte. Im Januar 2017 rückten auch für das Jack in the box und seinem im Untergeschoss vorhandenen Club Jackwho die Bagger an; doch erst jetzt wird auf dem ehemaligen Güterbahnhof in Ehrenfeld angefangen zu bauen.

 

Jack Who Poster Club Köln

© Jill Gräb

Was bleibt dann noch?

Nachdem jahrzehntelang Gerüchte kursierten, die Konzertlocation, Biergarten und Club Underground solle schließen, hieß es nun im September 2017 ‚Aus und vorbei’. Das Underground war eines der kulturellen Institutionen in Köln, lockte jedes Wochenende nicht nur Menschen jeder Szene an, sondern auch Menschen aus allen Regionen NRWs. Auf dem Heliosgelände werden nun zwei Schulen gebaut, dagegen kann man nichts sagen. Was jedoch ebenfalls schockiert, ist, dass neben dem Helios 37, im November dieses Jahres nun auch das Heinz Gaul abgerissen werden soll, das an das Heliosgelände anschließt. Was bleibt dann noch?

Underground Köln Graffiti

© Jill Gräb

Totgesagte leben länger

Nahezu jeder Kölner Club stand schon einmal wenigstens kurz vor dem Aus, aber einige wurden gerettet. Das sagenumwobene Kunst- und Kulturzentrum Odonien sollte sein Ende im Jahr 2012 finden, da die Bauaufsicht bemängelte, es fehle an Fluchtwegen auf dem Freiluftgelände, das sich zwischen einem Großbordell und zwei Bahntrassen befindet. Der Aufschrei war groß und die Demonstration ‚Rettet die Klubkultur’ bewegte viele Kölner dazu, auf die Straße zu gehen und gegen die Schließung des Clubs zu kämpfen – mit Erfolg! Noch nicht allzu lange ist es her, dass bei der Planung der Neubebauung Mülheims auch das Gebäude 9 abgerissen werden sollte, aber auch dieser legendäre Kulturschaffende Ort konnte aufgrund des Engagements der Kölner erhalten bleiben. Gespannt sein darf man darauf, was nächstes Jahr aus dem Autonomen Zentrum (AZ) wird, das bereits seit längerem an der Luxemburger Straße besteht und dass wegen einer Verlängerung des Grüngürtels und weiterer Parkmöglichkeiten abgerissen werden sollte. Nach langen Diskussionen mit der Stadt Köln, einigte man sich dieses Jahr über die weitere Nutzung des AZ-Gebäudes im nächsten Jahr geeinigt Was die Zukunft der Partyszene in Köln angeht, darf man gespannt sein. Nun dürfen wir uns aber erst einmal auf einen Sommer voller schöner Open Airs und Festivals freuen.

Open Air Helios Köln

© Jill Gräb

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden

Jill

Ich tue nichts lieber als Köln zu entdecken; die kulturellen Veranstaltungen, die innovativen Ideen und das interessante Stadtbild zu studieren und nachts in der Stadt zu chillen, oder zu lauter Musik zu tanzen. Das ist Köln für mich – ein Ort, den es sich lohnt zu entdecken!