Die mit dem bunten Halsband

Die mit dem bunten HalsbandWieso mit der Kölner Willkommenskultur bei bunten Vögeln Schluss ist

Laut ist es abends am Rheinufer. Oft ziehen sie unbegleitet durch Parkanlagen und Wohngegenden und belästigen nichtsahnende Passanten mit ihren Brunftschreien und Kot:

Halsbandsittiche. Die mehrere tausend Vögel zählende Kolonie der grünen Papageien spaltet die Kölner Gemüter. Doch woher kommen die exotischen Zuwanderer und wieso fühlen sie sich in Köln so wohl?      

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Aus dem Käfig in die Freiheit

Woher die kleinen Singvögel aus der Familie der Papageien ursprünglich kamen, kann heute nicht mehr hundertprozentig nachvollzogen werden. Am wahrscheinlichsten scheint es, dass sich einige Halsbandsittiche in den späten 1960er Jahre aus dem Zoologischen Garten Köln verabschiedeten und sich nicht vom Rhein trennen konnten. Obwohl ursprünglich südlich der Sahara oder in Indien beheimatet, haben sich die bunten Federtiere mit den roten Schnäbeln in den letzten 50 Jahren vorbildlich in die heimische Fauna integriert. Doch wieso stören sich einige Kölner an den exotischen Einwanderern?

Steckbrief Halsbandsittich

Lateinischer Name: Psittacula krameri
Größe: 30 - 40cm (inkl. Schwanzfedern)
Gewicht: 90 - 120g
Alter: bis zu 20 Jahre
Nahrung: Beeren, Samen, Nüsse, Knospen, Insekten
Verbreitung: Afrika, Asien, Europa, Nordamerika, Köln
Lebensraum: In Mitteleuropa bevorzugt Parks und Grünanlagen
Paarungszeit: März - April
Brutzeit: etwa 21 Tage
Sozialverhalten: schwarmbildend
Vom Aussterben bedroht: Nein!!! Noch nicht...

Cornern unerwünscht

Wenn Politiker anstreben Innenstädte und öffentliche Plätze zu beleben, denken sie häufig nicht in erster Linie an die grünen Sittiche. Und dennoch: Auch ohne ausgesprochene Einladung des Bürgermeisters, fühlen sich die Sittiche auf Kölner Bäumen pudelwohl. Die sozialen Vögel finden sich regelmäßig auf ihren „Stammbäumen“ ein – zum großen Unmut der menschlichen Anwohner. Sie fühlen sich durch das Geschrei und die Verschmutzung durch Kot belästigt. Doch wie spricht man ein Platzverbot für Vögel aus?

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Umweltschützer gegen Anwohner

Was für die Anwohner ein Problem darstellt, ist für die Umweltschützer lediglich das natürliche Verhalten der Halsbandsittiche: Abends fliegen sie in großen Schwärmen zu gemeinsamen Bäumen, auf denen sie die Nacht verbringen, bevor sie sich morgens wieder in die Parks verabschieden. Aufgrund der großen Anzahl an Vögeln, ist die Verschmutzung durch die allabendlichen Darmentleerungen allerdings enorm. Besonders stark betroffen war die Kölner Südstadt, wo sich die Vögel einige Bäume in der Dreikönigenstraße ausgesucht hatten.

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Guerillakrieg gegen freiheitsliebende Federtiere

Somit ist das bunte Treiben bereits bis zum Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) vorgedrungen, der angeregt hatte, die Tiere aus der Südstadt zu vertreiben. Das ging einem Anwohner offenbar nicht weit genug: Er hatte mit Zetteln darauf aufmerksam gemacht, dass er die Tiere mithilfe einer eigens gebauten Maschine zu verjagen gedenke. Pünktlich um 8 Uhr ertönte ein lauter Knall, der die Vögel aufschrecken ließ, so dass sie sich nach einiger Zeit auf das Dach des Maritim Hotels am Rheinufer zurückzogen.

Bürokratie und Nestbeschmutzer

Die Fronten scheinen verhärtet: Auf der einen Seite stören sich die Anwohner an der Passivität der Stadtverwaltung angesichts der Halsbandsittiche, auf der anderen Seite erbosen sich Umweltschützer über die „Wild West Methoden“ der Anwohner. Bis es zu einer Entscheidung über die Schlafplätze der Federlinge kommen wird, die beide Seiten zufriedenstellt, werden wahrscheinlich noch einige Gutachten nötig sein, die sich mit der Lautstärke des Vogelgesangs und der potenziellen Störung durch den Kot der Tiere auseinandersetzen werden.   

Bis dahin wurde den Kölner Halsbandsittichen bereits ein zweijähriges Bleiberecht für ihren aktuellen Schlafplatz zugesprochen. Am Rheinufer nahe dem Dom hat die Stadtverwaltung bereits reagiert und dreht aufgrund des Vogelkots der Halsbandsittiche einige Extrarunden mit einer neuen Kehrmaschine. Immerhin: Der Kot der Halsbandsittiche ist ungiftig und darf weiterhin bedenkenlos von Fahrzeugen und Kleidungsstücken entfernt werden.

Hauke

Hauke arbeitet als freier Autor für Geheimtipp Köln und schreibt am liebsten über lustige Tiere und alkoholische Kaltgetränke. Der passionierte Trainspotter liebt die urigen Eckkneipen Kölns.