Ich und der DJ der guten Laune

Ich und der DJ der guten LauneZu cool für den Dschungel

Vor zehn Jahren kommt Christian Horsters, ein sympathischer Büroangestellter aus Köln, von der Arbeit nach Hause und findet einen Zettel mit der Bitte um Rückruf, der sein Leben komplett verändern wird.

Dj der guten Laune, Köln

So kennen wir ihn © Dj der guten Laune

Von Null auf Vollgas

Nur wenige Monate später hat Christian seinen Job an den Nagel gehängt und jettet von Auftritt zu Auftritt um die Welt. Nur eine Minute und fünfzehn Sekunden haben den Freizeit-DJ und passionierten Umweltschützer zum weltbekannten Star gemacht. Zum „DJ der guten Laune“. Die meisten von euch werden sich erinnern an den „verrückten Professor“, der zu David Guetta hinter dem DJ-Pult eskaliert wie ein Flummi. Und genau diese Performance wird zu seinem Markenzeichen. Nie länger als eine Stunde legt er in den kommenden Jahren überall zwischen dem Agnesviertel und Australien auf. Er taucht in einer Google-Werbung auf, es folgen Fernsehauftritte und sogar ein Treffen mit David Guetta. Eine Karriere, die sehr nach RTL klingt und doch so anders verlaufen wird.

Der Stein des Anstoßes

Kein „Andrea-Berg-Ultra“

Wer ist der „DJ der guten Laune“ heute, wo lebt er, was macht er heute, zehn Jahre später? Das habe ich mich gefragt und ihn zum Podcastinterview eingeladen.
Ich treffe Christian, der inzwischen Mitte 60 und Rentner ist in Ehrenfeld. Um ehrlich zu sein, treffe ich ihn zwei Mal, weil unsere erste Podcastaufnahme aufgrund technischer Probleme meinerseits komplett misslingt. Ich rechne mit einem aufgedrehten Typen, einem „Gutelaunebär“ und bin überrascht, dass Christian so ganz anders ist, als ich ihn mir vorgestellt habe. Nicht, dass ich ihn vorher nicht sympathisch fand, aber ich hatte mir unter dem „DJ der guten Laune“ so einen Typen vorgestellt, der sonst unter dem Namen „DJ Uwe“ in der lokalen Dorfkneipe auflegt und im Herzen „Andrea-Berg-Ultra“ ist. Christian ist das komplette Gegenteil davon.

Gute Laune nicht um jeden Preis

Unaufgeregt, überlegt und wahnsinnig reflektiert. Offen und unbefangen erzählt er, wie ihn die Wucht des plötzlichen Ruhms vor Jahren erfasst hat, wie er aber dennoch seine Skepsis gegenüber bestimmten Angeboten beibehalten und warum er auch viele, lukrative Jobs abgesagt hat. „Das Dschungel-Camp wollte ich nicht machen und auch Coca-Cola war keine Marke, die ich bewerben wollte.“ Ich bin beeindruckt von so viel Haltung und merke, dass die „gute Laune“ im Namen nicht nur für die lustige Bühnenshow steht, sondern für eine ganzheitlich positive Lebenseinstellung, die Christian seine Karriere mit Bedacht hat leben und auch enden lassen. Seit einigen Jahren ist er kein DJ mehr und das ist für ihn in Ordnung. „Man muss auch loslassen können“, sagt er und ich glaube ihm zu 100 Prozent, dass ihm das gelungen ist. Heute gilt seine große Leidenschaft dem Retten von Lebensmitteln und der Verteilung an Bedürftige in seiner Wahlheimat Köln.
Davon erzählt er in unserer neuen Podcastfolge „Warum Köln?“ und außerdem sind wir noch etwas abgeschweift und sprechen darüber, was seine Kinder von seinem plötzlichen Karrierekick gehalten haben und, ob er auch vor ein paar Jahren auf seiner eigenen Hochzeit aufgelegt hat.

Dj der guten laune, Köln

Gute Laune und noch ein DJ © Dj der guten Laune

Mein Fazit

Ich bin tatsächlich froh über unsere Technik-Panne beim ersten Gespräch, denn die zweite Unterhaltung hat mich noch mehr verstehen lassen, wie Christian so tickt und wie viel innerer Ruhe es bedarf, um nach einem derart krassen Erfolg nicht abzustürzen.

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Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Vicki

Vicki ist im Bilde, wenn es um Events und Kulturspektakel aller Art geht. Sie ist Comedienne, Schauspielerin und Autorin. Wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, sitzt sie je nach Tageszeit gerne mal in einem schönen Café oder einer Bar - klischeemäßig natürlich am MacBook. Sie wohnt in der Südstadt.