Kamele Alaaf!

Kamele Alaaf!Wie in Köln das erste Kamelrennens Europas ausgetragen wurde

Man kann heute nur mutmaßen, warum Kölns damaliger Oberbürgermeister Theo Burauen sich ausgerechnet für Kamele entschied. Fest steht lediglich, dass seine „Schnapsidee“ (Kölnische Rundschau, 1969) im September 1969 vor knapp 50 Jahren zum ersten Kamelrennens Europas führte. Wie die Wüstenschiffe in der Domstadt am Rhein anlegten und warum die außergewöhnlichen Renntiere eine echte Herausforderung für Anwohner und Wettende darstellten, verrät Euch unser Kamelrennführer.

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It’s cool, man! Weshalb eine Kölner Zigarettenmarke das Kamelrennen in Köln unterstützte

Gewachsen als Idee das beliebten Kölner Oberbürgermeisters Theo Burauen nahm die Idee des Kamelrennens schnell konkretere Züge an. Die Kölner Pferde-Rennbahn Weidenpesch in Nippes litt damals unter schwindenden Besucher- und Wettzahlen und erhoffte sich durch das exotische Spektakel neue Interessenten an den Rennsport und in die Wettbüros zu führen. Die Kölner Zigarettenfirma Neuerburg stiftete für diesen Anlass sogar den großen Campel-Cup. Natürlich nicht ohne Hintergedanken: Neuerburg hatte 1963 alle (verbleibenden) Anteile an  die R. J. Reynolds Tobacco Company verkauft, die auch die Zigarettenmarke Camel herstellt. Ab 1968 war Neuerburg exklusiv für den deutschland- und europaweiten Vertrieb von Camel verantwortlich. Ein Kamelrennen im Köln bot sich ein Jahr nach der Markteinführung von Camel als ideales Marketingevent an, um die Marktanteile weiter auszubauen.

 

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Stomp the Yard: Marokkanische Trampeltiere im beschaulichen Nippes

Weil Kamele selbst im bunten Köln nicht heimisch sind, mussten die Tiere mitsamt speziell ausgebildeten Jockeys importiert werden. König Hassan der 11. stellte zwei Offiziere, sowie zehn Dromedare und Reiter für das Rennen am Rhein zur Verfügung. Dies ließ er sich natürlich stattlich vergüten und setzte voraus, dass sämtliche Unkosten übernommen werden. Während der Überführung der Tiere mussten sie zu jeder Zeit streng gesichert werden. Außerdem lagen Pistolen im Cockpit bereit, um die Tiere im Falle eines Tobsuchtsanfalls erschießen zu können. In Nippes angekommen wurden die Anwohner in regelmäßigen Abständen durch trompetenartige Wehlaute der Tiere aufgeschreckt. Tagsüber werden die Tiere an den für sie ungewohnten Grasboden gewöhnt.

Schaum vor dem Mund – das Rennen beginn

Das Rennen ist ein voller Erfolg: 18.000 Besucher treffen zu dem ersten Kamelrennen Europas an der Pferde-Rennbahn Weidenpesch ein und setzen insgesamt 35.000 Mark auf die Ergebnisse des Rennens. Nach einem Auslauf in die Begrenzung der Rennstrecke kann sich der Favorit Tuareg gegen die Konkurrenz durchsetzen und läuft als erster durchs Ziel. Acht der zehn ausgeliehen Dromedare sind letztendlich zum Rennen angetreten und überqueren erfolgreich die Zielgerade. Das Event war insgesamt so erfolgreich, dass nach dem Rennen überlegte noch weitere Veranstaltungen auf der Pferde-Rennbahn zur veranstalten. Da taten auch die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Wettabgabe keinen Abbruch.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden!

Hauke

Hauke arbeitet als freier Autor für Geheimtipp Köln und schreibt am liebsten über lustige Tiere und alkoholische Kaltgetränke. Der passionierte Trainspotter liebt die urigen Eckkneipen Kölns.