Lagerkoller Adé

Lagerkoller Adé7 Tipps gegen die Langeweile zuhause

Die Ereignisse überschlagen sich seit Tagen und der Corona-Ausnahmezustand hat inzwischen ganz Köln lahmgelegt. Eine Ausgangssperre wurde noch nicht eingeführt und dennoch ist fast jedes Gewerbe betroffen, von Imbissbesitzer*innen bis zu freischaffenden Künstler*innen leiden alle unter dem Versammlungs- und Veranstaltungsverbot. In aller Munde ist jetzt der Spruch flatten the curve, alle erklären sich selbst zu Epidemolog*innen und Virolog*innen und meinen, alles über COVID-19 zu wissen – fehlt nur noch, dass die Gesellschaft gemeinsam den Impfstoff entdeckt. Winston Churchill hat mal behauptet: eine Krise sollte man nie verschwenden.
Im Allgemeinen bedeutet das einzusehen: Krankenpfleger*innen, medizinisches Personal, das unterbezahlt ist, arbeiten unermüdlich, um die Krise einzudämmen. Diese Arbeit sollte in Zukunft entsprechend honoriert werden, nicht nur mit Dankesreden. Die Kreativwirtschaft blutet massiv unter den Eingriffen. Für die freien Theater-, Kunsthäuser sind die Einschnitte existenzbedrohend, die meisten wissen nicht, ob sie sich davon jemals erholen werden.
In kurzer Zeit entstehen auch originelle Ideen, wie eine digitale Zusammengehörigkeit und Kulturvermittlung aussehen kann: Trotz physischer Distanz sollten wir im Gespräch bleiben und uns mit Freundlichkeit begegnen! Nun heißt es, Infektionskurve abflachen, geduldig sein und bloß nicht verzweifeln. Lest hier den ultimativen Isolationshaftguide, damit die Wände nicht näher rücken und euch erdrücken:

Kultur digital genießen

Kultur, Köln

Künstler*innen, Autor*innen, Musiker*innen, Kurator*innen arbeiten mit Hochdruck daran, ihre digitalen Plattformen zu erweitern und Veranstaltungen, Events und Lesungen eben auch online anzubieten. Weltweit öffnen Museen ihre digitalen Galerien, damit sich die Menschen weiterbilden können. Die Oper in Paris strahlt ein wechselndes Programm aus, welches für alle umsonst zur Verfügung steht. Wir sind gespannt, was sich unsere Kulturhäuser demnächst einfallen lassen! Am Mittwochnachmittag ging ein Live-Stream von Freunde Legen auf online, mit DJ-Sets von David Hasert und Alex New sowie Pascal Solid, das von einem einsamen Dach mit Domblick gesendet wurde. Motto war diesmal Together alone. Auch wir möchten betonen: Falls es euch finanziell möglich ist, behaltet die erworbenen Tickets für Konzerte oder Lesungen, um gerade kleine Künstler damit zu unterstützen.

Lesen und Lernen

Lesen, Zuhause, Corona, Köln, Tipps

Wenn ihr so viel Kultur konsumiert habt, dass ihr das intellektuelle Ich nicht mehr ertragt, könnt ihr euren Wissenstand aufstocken. Etwa, indem ihr euch eine neue Sprache beibringt. Retrospektiv wird es euer Gehirn euch danken! Für spielerische Lerneinheiten lohnen sich Apps wie das anspruchsvolle Babbel (kostenpflichtig!) oder das kostenlose Duolingo, das perfekt als Vokabeltrainer benutzt werden kann. Auch ist es an der Zeit, die nur für Dekorationszwecke gekaufte Gitarre endlich zu aktivieren und sich die vielen YouTube-Tutorials tapfer reinzuziehen. Solltet ihr auch hier das Interesse rasch verlieren, könnte eine letzte Challenge sein, knifflige Mathematikaufgaben zu lösen – Funktionen von exponentiellem Wachstum zum Beispiel?

Sozialisierungsmaßnahmen mit Sicherheitsabstand

Corona, Zuhause, Köln, Tipps

Der Mensch ist ein soziales Tier, es fällt ungemein schwer, auf das Gegenüber zu verzichten. Begegnungen in Chat-Foren, virtuelle Gamertreffen, digitale Skype-Dates, virale Memes in Freundesgruppen und Kochabende im Netz bringen uns zum Lachen und lassen uns unsere Isoliertheit vergessen. Entscheidet euch für ein bestimmtes Medium, je nach Verabredung und Laune. Zum Beispiel empfehlen wir Zoom und Google Hangouts als Konferenzdienst und Slack für die interne Kommunikation mit Arbeitskolleg*innen. Ebenfalls könnt ihr Face-Time und Skype zum Quatschen, Quatschmachen, Quatschsingen verwenden und euch da hineinsteigern. Apropos Singen – ein Trend geht um: jeden Abend um 21.00 Uhr versammeln sich Leute am Fenster, am Balkon und es wird ordentlich geklatscht: für das medizinische Personal, Krankenpfleger*innen, Ärzt*innen, denen wir unendlich dankbar und verpflichtet sind. Schon Dienstag lief die Parade an, informiert euch darüber, welche Aktionen geplant sind, damit ihr euch nicht blamiert. Wenn ihr mich fragt, kann das Ganze noch gesteigert werden, nach italienischem Vorbild: Holt die Pfannen raus und macht ordentlich Radau!

Digitaler Müll und Emailpostfach

Köln, Corona, Zuhause, Arbeiten

Wann habt ihr das letzte Mal eure Daten gesichert? Wann Bilder, Gifs, Memes, Trash gelöscht? Muss das denn sein, diese vielen Foodstories? Auch wenn die Cloud sie wie Mutter Theresa empfängt? Der Eindruck der Verwahrlosung scheint sich auf jedem Rechner und Mobiltelefon zu etablieren. Auch wenn ihr das Gefühl habt, dass sich das Universum drum kümmern wird, was mit diesen Daten passiert – verlasst euch besser nicht drauf. Ihr müsst jetzt selbst für den Datenmüll Verantwortung übernehmen und: Löschen, Sortieren, Ordnen. Nebenbei könnt ihr auch in Erinnerungen schwelgen und bei den humoristischen Inhalten länger verweilen.

Solidarisch sein – für andere einkaufen und mit dem Hund Gassi gehen

Zuhause, Corona, Köln Tipps

Was könnt ihr für eure Gemeinschaft machen? Auf Facebook haben sich schon erste Gruppen gebildet, u.a. #CoronaHilfe Köln, wo man Hilfe anbieten bzw. annehmen kann. Auch die Stadt Köln bietet Auskunft durch ein Bürgertelefon, das speziell Fragen zur Coronakrise beantwortet und so der Verunsicherung und gefährlichem Halbwissen entgegenwirken will. Das Bürgerzentrum Ehrenfeld hat ein Hilfe-Telefon eingerichtet, das ein freundliches Ohr bietet für alle, die Unterstützung beim Einkaufen benötigen. Damit insbesondere Senioren, die nicht in den sozialen Kanälen wimmeln, auch davon erfahren, können auch im eigenen Treppenhaus Zettel zu den einzelnen Aktionen aufgehängt werden.

Home-Office

Ihr arbeitet von Zuhause und der/die Chefin kann eh nicht kontrollieren, wann ihr aufsteht? Also könntet ihr auch erstmal ausschlafen. Warum eigentlich nicht? Vielleicht ist der Morgen gar nicht die produktivste Zeit für alle Menschen, sondern jeder hat ganz individuelle Aufmerksamkeitsphasen. Haltet euch dann rigoros an dieses Zeitfenster. Ich würde behaupten, und damit lehne ich mich sicherlich nicht zu weit aus meinem Balkon-Office, dass die Mehrheit mit diesem Arbeitskonzept nicht sehr vertraut ist. Nur Mut, Leute, was nicht ist, kann ja noch werden. Schöner Nebeneffekt: während sich einige Arbeitgeber früher vehement geweigert haben, flexible Arbeitsmodelle anzubieten, sind sie nun dazu verpflichtet. Und wahrscheinlich werden sich dann manche seufzend eingestehen, dass vieles (nicht alles) funktioniert! Auch hier gilt: eine Routine einzubauen, ist womöglich die Arbeitsrettung. Vielleicht ist die Küche besser geeignet als die Besenkammer, die eher zum Putzen animiert.

Frühlingsputz Marathon

Putzen, Köln, Zuhause, Corona

Womit wir zum zweiten Punkt kommen. Nie hatte man so viel Zeit, um die Badfliesen zu reinigen. Die Steckdosen zu entstauben. Die Teppiche ausklopfen. Die Bleistifte spitzen. Zeitungspapier zu Klopapier umfunktionieren. Sofern ihr Letzteres nicht mehr auf dem Schwarzmarkt bekommt. Wischt, wischt, wischt, als gäb’s kein Morgen mehr (nicht nur auf dem Smartphone). Als ich heute auf meinem Balkon-Office saß und die Umgebung studiert habe, ist mir aufgefallen, dass meine Nachbar*innen alle blitzblanke Fenster hatten. Seitdem frage ich mich, warum sind die mir einen Schritt voraus? Ich werde als Gegenmaßnahme sofort das Moos auf meinem Balkon beseitigen, um irgendwann im Putz-lala-land zu tanzen.

 

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Silvana

Silvana streunt am liebsten durch Ehrenfeld, auf der Suche nach leckerem Kaffee und einem sonnigen Plätzchen, an dem sie ihre Zeitung ausbreiten kann. Am Wochenende besucht sie die eine oder andere Ausstellung für moderne Kunst oder es zieht sie ins Theater der freien Häuser. Im Sommer radelt sie vergnügt durch die Stadt, vom Straßenfest zum Picknick am Rhein, um gemeinsam mit Freunden zu schnabulieren und zu philosophieren.