Neu in Köln II

Neu in Köln IIKölle Alaaf

Wenn es etwas gibt, dass weit über die Stadtgrenzen von Köln hinaus, sogar jenseits der Republik, bekannt ist, dann ist es der Kölner Karneval.
Für jemanden wie mich, aus Süddeutschland, wo Karneval Fasnet heißt und wo es bis auf ein paar Hochburgen eher gediegen zugeht, hörten sich die fernen Berichte aus Köln wie Malle im Ausnahmezustand an.

Alles Klarschiff für das Finale der 5. Jahreszeit

Seit einigen Tagen war ich also nun in Köln und bis auf ein paar einzelne "Gardisten" habe ich noch nicht viel vom Karneval mitbekommen. Aber ich war auch bisher mit Scheuklappen durch die Stadt gegangen, erschöpft und leicht überfordert von meinem Umzug. Bei meinen täglichen Fahrten mit der Bahn durch Köln zeigten sich aber schnell die ersten "Symptome" des herannahenden Karnevals. Überall wird herausgeputzt, gewerkelt und provisorische Bahnsteige gebaut. Dies ließ mich schon erahnen, welche Ausmaße Karneval hier haben wird.

Ein Kurzer Arbeitstag

Dann kam der Donnerstag – Weiberfastnacht. Die gesamte Stadt wirkte wie verändert. Das normale geschäftige Treiben wich einer sehr ausgelassenen Feierstimmung. Diese beschränkte sich aber nicht auf den Dom, sondern es war wirklich die ganze Stadt wie infiziert. Um 11.11 hieß es dann auf der Arbeit auch schon Schicht im Schacht und ich begab mich auf den ersten Streifzug durch die Stadt. Überall wuselten Verkleidete, Betrunkene und Leute, die einfach nur Spaß haben wollten, umher.

Kostümiert

Ursprünglich wollte ich den Karneval unverkleidet erkunden, da nach meinem Umzug das Geld knapp war. Nach meinem ersten Streifzug durch die Stadt hatte ich aber das Gefühl, ohne Kostüm aufzufallen. Da fiel mir ein, dass ich doch tatsächlich etwas aus dem Süden mitgebracht hatte, dass vielleicht gar nicht so ungeeignet wäre: ein komplettes Trachtenoutfit. Zum Volksfest im Frühling und Oktober auf dem Cannstatter Wasen trägt man in Stuttgart nämlich Tracht! Also kurz umgezogen und ich fuhr zurück zum Dom.

Auf ins Getümmel

Mein neues Kostüm zog zunächst den einen oder anderen kritischen Blick auf sich, aber mit fortschreitender Stunde und allgemein steigendem Alkoholpegel wichen diese Blicke immer häufiger warmen Begrüßungen. Je weiter ich Richtung Südstadt ging, umso mehr wurden mir die Ausmaße der Feierei bewusst. Egal wo ich war, wie weit ich ging und sah, überall war diese ununterbrochene ausgelassene Stimmung vorhanden. An jeder Ecke spielten Blaskapellen oder es ertönte Karnevalsmusik. Bei all dem Trubel um mich herum, bin ich gar nicht richtig ans Fotografieren gekommen. Nächstes Jahr dann bestimmt.  Auf dem Weg wurde es auch Zeit für mein erstes Kölsch. Und wie schmeckt es? Über Geschmäcker lässt sich bekanntermaßen streiten. Vor allem bei Bier. Deswegen belasse ich es mal mit einem "es lässt sich trinken". Sprecht mich darauf an, wenn wir uns einmal über den Weg laufen. 

Kamelle

Am alter Markt begegnete ich durch Zufall einem kleinen Umzug, der sich mühsam seinen Weg durch die engen Gassen und Straßen bahnte. Hier werden die Unterschiede deutlich, die der Kölner Karneval zur Fasnet im Schwabenländle hat. Anstelle von “Narri! Narro!” ruft man hier “Kamelle” und “Alaaf”. Und während die Zünfte im Süden mit Hexen und geschnitzten Masken den Geistern des Winters den Garaus machen, marschieren in Köln Gardisten mit Gewehr in Formation durch die Stadt. Ich blieb ein wenig um auch meine Hosentaschen mit Süßigkeiten vollzustopfen und zog dann weiter.

Wie empfand ich nun Karneval in Köln? Eine Frage, die mir bestimmt x-Mal gestellt wurde. Meine Antwort ist immer die gleiche: Ich habe noch nie so etwas erlebt! Es hat einen Grund, warum man den Kölner Karneval auch über die Grenzen der Republik hinaus kennt. Man muss das erlebt haben, um es zu glauben. Man liebt es oder man hasst es. Es gibt nichts dazwischen. Für nächstes Jahr streiche ich mir den Termin aber im Kalender an und dann hoffentlich mit richtigem Kostüm.

Glenn

Glenn ist unser backfrischer Immi! Gekommen aus dem Schwabenländle trifft man ihn häufig mit seiner Kamera im Gepäck auf Erkundungstour durch Köln.