O’zapft is geht gar nicht

O’zapft is geht gar nichtMit dem Kölner Brauhaus Knigge erfolgreich zum Bier

Jeder kennt sie, keiner mag sie: aufdringliche Kneipengäste. Am wenigsten Kellner. Besonders anspruchsvoll ist hier der Köbes, ein Kellner in einem Kölner Brauhaus. Wie ihr euch sicher in einer „Kölsche Weetschaft“ bewegt und verhindern könnt, dass euch der Köbes im Brauhaus eurer Wahl nicht bedient, erläutern wir in unserem Kölner Brauhaus Knigge.

Gesessen wird, wo Platz ist oder: die klassenlose Brauhaus-Gesellschaft

Das Kölner Brauhaus ist eine Institution, die bereits seit dem 13. Jahrhundert besteht. So überstanden die damals meist mannshoch holzvertäfelten Wirtschaften nicht nur mehrere Kriege, sondern überlebten auch viele Kneipen und Bars, die im Gegensatz zum Kölner Brauhaus eher an Modeerscheinungen erinnern. Ein Grund für den Erfolg der Kölner Wirtschaft ist sicherlich die klassenlose Brauhaus-Gesellschaft. Hier trinken und essen Beamte, Vorstände, Handwerker, Dienstleister oder Studenten nicht nur im selben Raum, sondern häufig auch am selben Tisch. Reservierungen gibt es im Kölner Brauhaus nicht und mit der Ausnahme von Stammtischen, deren Gäste nachweislich seit 20 Jahren oder länger die Wirtschaft aufsuchen, gibt es keine Stammplätze. Gesessen wird, wo Platz ist. Damit ist das Kölner Brauhaus ein wichtiger Treffpunkt soziokulturellen Austauschs in der Domstadt und gleichzeitig symbolisch für die weltoffene Haltung der Rheinmetropole. Maßgeblichen Anteil hieran haben die Kellner oder Köbesse im Kölner Brauhaus, die durstige Gäste verlässlich mit Kölsch, Essen und Lebensweisheiten versorgen.

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Köbes und Kölsch – Kellner und Bier im Kölner Brauhaus

Gerade an den Tisch gesetzt, erscheint wie aus einer versteckten Tür in der Holzvertäfelung der Köbes. Der Köbes, Kölner Dialekt für „Jakob“, ist Kellner und sollte niemals mit „Ober“, „Gaston“ oder anderen Mundarten der „Imis“ (Zugezogenen) angesprochen werden. Stattdessen erscheint der Köbes, traditionell in zugeknöpfter, blauer Strickjacke mit schwarzen Knöpfen, einer schwarzen Hose und schwarzer Ledertasche vor dem Bauch. Der erste Satz des Köbes ist meist „Un do? E Kölsch?“. Nur die Mutigsten antworten auf diese Frage mit Nein. Das obergärige Vollbier ist neben Köbes und Foderkaat (Speisekarte) Teil des Kölner Brauhaus-Dreifaltigkeit. Während es nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich zwei verbleibende Brauereien (Sünner und Dom) gab, existieren mittlerweile wieder 25 anerkannte Kölschmarken, die ausschließlich im Gebiet der Stadt Köln gebraut werden dürfen, sowie vereinzelte, unabhängige Brauhäuser. Im Brauhaus selbst wird traditionell nur eine Sorte Kölsch ausgeschenkt, die vom Köbes serviert wird. Doch was zeichnet den Umgang mit dem kölschen Kellner aus? 

Schnell, direkt und Teil kölscher Legendenbildung – der Service im Kölner Brauhaus

Ist das erste Kölsch geleert, muss man sich keine Sorgen um das nächste machen. Sobald der Köbes eine leere Stange (Kölschglas) auf dem Bierdeckel entdeckt, wird Nachschub gezapft. An den Tisch serviert der Köbes die Bierspezialität seit Ende des 19. Jahrhunderts im Kölsch-Kranz, einem Tablett, auf dem bis zu 18 Stangen Kölsch Platz finden und oben und unten über einen Griff verfügt. Vom Zappes gezapft kann der Köbes auch viele Gäste innerhalb kürzester Zeit bedienen, solange der Gast keinen Bierdeckel auf das Kölschglas legt (Trinkstopp) oder den Bierdeckel hebt. Möchte man andere Getränke wie etwa Wasser oder sogar Tee bestellen, sollte man sich auf eine humoristische Spitze des Köbes vorbereitet sein, die insbesondere Neu- oder Nicht-Kölner überraschen könnte aber ebenso wie die blaue Strickjacke Teil eines Köbes und des Kölner Brauhaus’ sind. Bevor es an das Bezahlen geht, sollten hungrige Gäste beim Köbes noch die Foderkaat erfragen, um in den Genuss des dritten Teils einer Kölner Wirtschaft zu kommen: traditionelle Brauhausgerichte.

© Kölner Kompass

De Kölsche Foderkaat: klassische Brauhausgerichte

Fester Teil einer Kölner Wirtschaft ist das Essen und da Acaibowl oder Chiapudding nur bedingt zum herben Kölschen schmecken, ist das Essen im Kölner Brauhaus so bürgerlich und schnörkellos wie dessen Köbesse. Auch wenn ursprüngliche Gerichte wie „Flönz met Öllig“ (Blutwurst mit Zwiebeln), Soleier oder „Fuustekies“ (Mainzer Käse) heute weitgehend von der Kölschen Foderkaat verschwunden sind, gibt in vielen Kölner Brauhäusern weiterhin eine umfangreiche Speisekarte. Decke Bunne, Rievkoche oder Himmel und Äd sind nur drei Gerichte, die es beim nächsten Besuch in einem Kölner Brauhaus auszuprobieren gilt.

Wenn dem Köbes dann noch mit gebotenem Respekt und ausreichend Trinkgeld begegnet und unser Kölner Brauhaus Knigge berücksichtigt wird, steht einem gelungenen Brauhaus-Besuch in Kölscher Tradition nichts mehr im Wege.

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Ebene entstanden
Hauke

Hauke arbeitet als freier Autor für Geheimtipp Köln und schreibt am liebsten über lustige Tiere und alkoholische Kaltgetränke. Der passionierte Trainspotter liebt die urigen Eckkneipen Kölns.