THANK YOU FOR THE MUSIC

THANK YOU FOR THE MUSICDas Magazin zur Kölner Club- und Barszene

Philipp arbeitet hauptberuflich als Gastronom. Er ist Besitzer vom Zum scheuen Reh und Im Schnörres. Er veranstaltet die Le Tour Belgique, arbeitet ehrenamtlich im Vorstand der Klubkomm und der IG Gastro und ist Herausgeber des Kulturwassers H2O CGN. Die Fotografie begleitet ihn seit Anfang 2000. Beim Foto-Buchhändler Schaden stand er hinterm Tresen, gehörte zum Gründungsteam des PhotobookMuseums und fotografiert ebenso gerne wie lange. Der Fotograf und Veranstalter Ben Hammer Interviewt hier für Geheimtipp Köln den Philipp zum Fotoprojekt THANK YOU FOR THE MUSIC und zur aktuellen Situation der Kulturszene.

Magazin, Club, Köln

Da ist das Magazin © THANK YOU FOR THE MUSIC

Ben Hammer:
Als der Lockdown kam, war ich schon vier Wochen in keiner Kneipe mehr gewesen. Danach schloss ich mich für einen ganzen Monat im Studio ein und habe meine Zeit mit Gaming, Steuer und Schreibtischarbeit verbracht. Alle Jobs wurden gecancelt und ich war froh, dass ich wenigstens ein bisschen Geld im Internet verdienen konnte. Wie war’s bei Dir Philipp? Mit dem Scheuen Reh bist du ja selbst Gastronom und musstest deine Arbeitsstätte schließen, was hast Du gemacht?
Philipp Treudt:

Das Zum scheuen Reh und den Im Schnörres mussten wir schließen. Alle weiteren eventbezogenen Aktivitäten habe ich eingestellt. Immerhin: Als Vorstandsmitglied bei der IG Gastro habe ich eine soziale Gastroaktion organisiert: #zesammesimmerstark. Die Aktion
hat Geld gesammelt für Wirte die normalerweise Fussball zeigen, dies aber aufgrund von Corona nicht konnten. Das Besondere an der Aktion: Der 1 FC Köln, Fortuna Köln und Viktoria Köln haben zusammen gearbeitet. Knapp 10.000 € sind am Ende zusammen gekommen.

Ben Hammer:
Also direkt kreativ geworden? Wie hast Du’s geschafft dich in dieser ungewissen Zeit selbst zu motivieren? In der Zeit muss dir ja auch die Idee zu deinem aktuellen Projekt THANK YOU FOR THE MUSIC gekommen sein, oder?
Philipp Treudt:

Tatsächlich war das gar nicht so einfach. Ich habe mir strikte Verhaltensregeln auferlegt. Kein Alkohol und viel Sport. Auch mit dieser relativen körperlichen/geistigen Klarheit konnte ich mich zunächst überhaupt nicht fokussieren. Die Gedanken drehten sich
immer wieder im Kreis. Tatsächlich war ich froh Vorstandsmitglied in zwei Verbänden zu sein. So bekam ich viel Input, konnte mich in andere Arbeiten stürzen. Die Idee zum Fotoprojekt kam dann bei irgendeiner Zoom Sitzung.

Ben Hammer:
Wieso ausgerechnet kein Alkohol und viel Sport? Dinge die sonst in deinem Alltag als Gastronom eher untergehen?
Philipp Treudt:

Ehrlich: Sport mache ich immer viel, ein Glas Kölsch trinke ich aber auch sehr gern. Für mich war klar, es ging in dieser Zeit nur mit klarem Verstand und fittem Körper. Die Sorgen waren einfach zu groß.

Ben Hammer:
Bei THANK YOU FOR THE MUSIC handelt es sich um ein Fotografie-Projekt. Wieso ausgerechnet ein Fotoprojekt? Was fasziniert dich an der Fotografie und welchen Stellenwert hat sie in Deinem Leben? Du hättest ja auch Podcasts machen können? Oder Videoportraits?
Philipp Treudt:

Mich fasziniert, dass man über bewusst gewählte Bildausschnitte ganz neue Betrachtungsebenen kreieren kann. Gegenstände und Räume werden auf einmal vom Rezipienten ganz anders wahrgenommen. Damit zu Spielen und verschiedene Metaebenen
zu öffnen macht mir großen Spaß. Als Fotograf durchschreitest Du Türen, die manch Anderem verschlossen geblieben wären, nicht aus dem Grund, dass ein Fotograf eine wichtige Person wäre; ein Fotograf beschäftigt sich intensiv und lange mit seinem Projekt,
sodass er Räume in Form von Bildern öffnet und am Ende der Öffentlichkeit präsentiert. Wenn die fotografische Arbeit dann noch dokumentarisch ist, bin ich direkt Fan. Video ist nicht mein Metier, mich fasziniert natürlich ein Film, aber ich habe einfach keine Ahnung wie man ihn dreht. Für dieses Projekt war mir von Anfang an klar, dass ich am Ende gerne etwas haptisches präsentieren wollte.

Ben Hammer:
Die letzten Tage das Startnext Crowdfunding für das Magazin laufen. Dann kann man es noch dieses Jahr gedruckt in den Händen halten. Wie hast Du die Gastronomien und Bars ausgewählt und auf welche Clubs und Kneipen dürfen wir uns im Magazin freuen?
Philipp Treudt::

Alle Locations sind Mitglieder der Klubkomm e.V.. Es war wichtig ein breites Spektrum an Kölner Clubs zu präsentieren. Vom Kleinen Club bis zur großen Konzertvenue. Unter anderem dabei: Live Music Hall, Gebäude 9, Club Volta, Gloria, CBE, Stadtgarten, Gewölbe und mehr.

Ben Hammer:
Gibt’s eine Begegnung oder eine Geschichte rund um das Projekt, die dich besonders inspiriert hat? Vielleicht auch die Begegnung, wo Du gemerkt hast, die Bilder werden echt gut und das Projekt könnte auch für andere spannend sein?
Philipp Treudt::

Die eine Geschichte glaube ich gibt es nicht. Es sind vielmehr die unterschiedlichen Personen, die mich sehr bewegt haben. Jede Person reagiert ganz eigen auf so einen Lockdown. Manche waren traurig, verzweifelt, sahen keinen richtigen Ausweg, andere
haben die freie Zeit genossen, Dinge ausprobiert, die sie sonst vielleicht nie getan hätten. Je mehr Clubs ich fotografiert habe, desto klarer wurde mir, dass dieses Projekt eine breite Öffentlichkeit ansprechen wird.

Ben Hammer:
Was möchtest Du mit dem Magazin erreichen? Hast Du ein genaues Ziel oder was würdest Du dir wünschen?
Philipp Treudt::

Mit dem Fotomagazin THANK YOU FOR THE MUSIC möchte ich dem Kölner Kulturpublikum die Möglichkeiten bieten hinter die Kulissen zu schauen, Emotionen der betroffenen Künstler und InhaberInnen mitzuerleben und das öffentliche Interesse auf die
bedrohliche Situation der Kölner Clubs lenken.

Ben Hammer:
Jetzt konntest Du dich mit der Arbeit und der Fotografie für das Magazin wahrscheinlich gut beschäftigen, wie Blickst Du als Gastronom in die Zukunft, das Ende des Jahres und das kommende Jahr?
Philipp Treudt::

Ich habe tatsächlich keine Ahnung. Die Zahlen steigen, die Restriktionen werden stärker. Ich hoffe wir kommen irgendwie durch.

Ben Hammer:
In schwierigen Situationen und Krisen neigen Menschen oft dazu, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Hamsterkäufe haben das in der breiten gesellschaftlichen Masse verdeutlicht. Wie kommt es, dass Du dich lieber engagierst, z.B. in der Klubkomm e.V. oder der IG Gastro?
Philipp Treudt::

Es scheint mir sehr wichtig, sich in so schwierigen Zeiten gut zu vernetzen. Nur gemeinsam kommen wir da irgendwann, irgendwie durch. Wir konnten mit beiden Vereinen in den letzten Monaten viel erreichen. Das ist sehr schön zu sehen und gibt mir persönlich viel.

Ben Hammer:
Geben dir diese erreichten Ziele auch wieder Kraft für die eigenen Herausforderungen?
Philipp Treudt::

Auf jeden Fall. Mit den neuen Bestimmungen, wie zum Beispiel der Erweiterung der Außengastronomiefläche, konnten wir ganz anders arbeiten.

Ben Hammer:
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie viel Arbeit ein fotografisches Druckerzeugnis bedeutet. Gerade bei meinem ersten Fotobuch habe ich durch die Hilfe vieler talentierter Menschen viel lernen können. Jetzt machst Du dein erstes Magazin, hast Du Hilfe?
Philipp Treudt::

Ohne die Hilfe vieler, verschiedener Personen, wäre das Projekt ganz anders verlaufen. Besonders wichtig waren Thekla Ehling bei der Vorauswahl und Planung, Frederic Lezmi bei der Konzeption, Wolfgang Zurborn beim Editing, Martin Groß als ständiger Berater auf allen Baustellen, Philipp Rose bei der Grafik und Kalouna Toulakoun für die Ausstellungsplanung. So ein Buch- und Ausstellungsprojekt ist ein starker Lernprozess auf vielen Ebenen. Zum Glück habe ich erfahrene Freunde aus den Bereichen Editing, Kreation und Realisation.

Ben Hammer:
Das Crowdfunding fürs Magazin auf startnext läuft ja nur noch ein paar Tage, das erste Fundingziel ist schon erreicht und der Druck damit finanziert. Jetzt steht noch das Erreichen des zweiten Ziels für die geplante Ausstellung im Helios an. Wie waren die letzten Tage während das Crowdfundings für Dich?
Philipp Treudt::

Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass über 200 Personen mein Projekt unterstützen. Es wäre einfach nur grandios, wenn wir auch noch das zweite Funding-Ziel erreichen würden.

Ben Hammer:
Was hat dich besonders an dem Projekt bis heute fasziniert? Das Fotografieren selbst, die Gespräche oder das Material am Ende mit deinem Team in eine “schöne” Form zu bringen?
Philipp Treudt::

Puh. Alles war spannend und aufregend. Die Vororttermine waren aber vielleicht doch die Highlights. Einfach aus dem Grund, dass über die Begegnungen mit den Personen und Spielstätten das Projekt immer mehr an Fahrt aufgenommen hat. Je mehr ich fotografierte, desto mehr spürte ich die Bedeutung dieses Projekts.

Ben Hammer:
Auf was freust Du dich am meisten?
Philipp Treudt::

Auf eine fette Show inklusive Magazin-Release.

Ben Hammer:
Danke! Ich bin schon gespannt, habe mir mein “Perk” natürlich schon gesichert und freue mich, das gedruckte Magazin irgendwann in den Händen zu halten. Möchtest Du noch was an die Welt da draußen richten?
Philipp Treudt::

Ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere mein Projekt unterstützen würde. Noch viel mehr würde ich mich freuen, Dich als Besucher auf der Ausstellung inklusive Magazin Release am 22. Oktober im Helios begrüßen zu dürfen. Das ist der angedachte Ausstellungstermin. KölnerInnen stehen zusammen, da bin ich mir sicher.

Das Interview führte der wunderbare Ben Hammer © Ben Hammer

Das ist ein Gastinterview von Ben Hammer

Ben ist Fotograf und Veranstalter in Köln. Außerdem trinkt er leidenschaftlich gerne Kölsch. Alle Veranstaltungspläne sind von Corona zunichte gemacht worden, umso mehr freut er sich mit THANK YOU FOR THE MUSIC auf ein Fotoprojekt seines Kollegen Philipp, der auch in diesen Zeiten die Kölner Club- und Barlandschaft mit seinen Fotos zugänglich macht. Außerdem schreibt er Hier über seine Projekte, Veranstaltungen und Fotografie in Köln.

Redaktion