Überall is Kölle

Überall is KölleEgal wohin der Wind mich trägt

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sitze ich im ICE Richtung Stuttgart. „Tschüss Köln, bis bald!“ denke ich mir und betrachte ein wenig wehmütig den Rhein und die Kranhäuser. Noch schnell ein Foto der kölschen Skyline in meine Instagram Story gepackt und weg bin ich. Das Landschaftsbild vor meinen Augen verändert sich  zügig und schon bald ist die große Stadt mit ihrem wuseligen Treiben vergessen. Köln, die Stadt welche vor über 10 Jahren mein Zuhause wurde. Die Großstadt, die im Grunde ein Dorf ist – sagt man hier so, ist auch so! Aber so gerne ich dieses Dorf auch habe, hin und wieder muss ich mal raus. Nix kölsches sehen, hören oder trinken. Und somit bin ich froh, in den langersehnten Skiurlaub nach Österreich aufzubrechen. Glitzernder Schnee, strahlende Sonne und vor allem völlige Anonymität. Ich kenne dort niemanden, mich kennt niemand – perfekt.

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Urlaub ohne K?

Geht es euch im Urlaub manchmal auch so? Am liebsten irgendwo hin, wo kein Wort deutsch gesprochen wird. Um sich halt auch so richtig weit weg von zuhause, von seinem Alltag zu fühlen? Zugegeben, Österreich ist nun weder sprachlich noch geografisch wirklich weit weg.  Aber der süße Akzent der Österreicher, die strahlenden Pisten und das nicht vorhandene Kölsch sind doch schon eine ausreichende Entfernung zu meiner Herzensstadt.
Am Skihotel angekommen checke ich mit einem Blick die Kennzeichen der anwesenden Autos – kein K weit und breit. Sehr gut. Die ersten Skitage vergehen entspannt und schließlich geht’s nach der Piste ab in den Schirm zum Aprèsski. Anders gesagt das Mallorca des Winters, der Karneval auf der Piste. Schwitzende, schunkelnde Menschen die leicht angeschwipst gerne mal auf dem Tisch tanzen. Nicht, dass ich davon nicht genug an Karneval hätte, aber im Schnee ist das ja was völlig anderes! Also, rein ins Getümmel. Unsere Truppe setzt sich für ein Bier und einen Willi an die Bar. Es ist unfassbar laut. Wir stoßen an und während ich einen großen Schluck Bier nehme, Helene Fischer lautstark ihre Atmungslosigkeit schmettert, höre ich deutlich die Worte: „Hey, kommt ihr auch aus Köln?“ Ich bin wie erstarrt – das kann doch jetzt nicht wahr sein! Und während ich mich langsam umdrehe, insgeheim hoffe, dass jetzt bloß kein verflossenes Date vor mir steht, antwortet auch schon einer meiner Bekannten mit ganz euphorischer Stimme: „Ja sichi, ihr auch??“.

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Immer mehr Kölsche

Es ist, als würden sich die Tore öffnen und unsere bis dahin ganz unbehelligte, kleine Truppe schwoll zu einer großen Traube an. Gesprächsfetzen und Worte wie Ehrenfeld, Südstadt oder Karneval fliegen nur so hin und her. Wer wohnt im welchem Stadtteil, welches Kölsch ist das leckerste, wo feiert man den besten Karneval und was bilden sich die Düsseldorfer eigentlich ein – willkommen im typisch kölschen Smalltalk! Kein Thema wird ausgelassen. Jeder Nicht-Kölner hätte wahrscheinlich verständnislos über so viel Heimatliebe den Kopf geschüttelt und das Weite gesucht. Aber was soll ich sagen – ich bin mit glühenden Wangen und ganzem Herzen mittendrin! Und spätestens nachdem wir alle voller Euphorie „Kölsche Jung“ mitgegrölt hatten, wusste auch der Rest der Anwesenden, wofür unser Herz schlägt. Und während ich ja eigentlich das Gefühl von „weit weg“ gesucht habe, bin ich jetzt um so glücklicher, mich wieder ganz wie daheim zu fühlen.

Kölle du bis e Jeföhl

Wieder mal spüre ich, dass Kölsch neben einem Bier und einem Dialekt vor allem eins ist: ein Gefühl von Gemeinschaft. Ein Gefühl das verbindet, ganz egal ob am Tresen unserer Veedelskneipe, am Tresen auf 2.500 Höhenmetern in Österreich oder sonst wo auf der Welt. Eine Gemeinschaft in der wirklich jeder von Herzen willkommen ist, in der jeder eingeladen ist sich wohlzufühlen, wie ein gemütliches zuhause. Und vor allem ganz ohne Scheu aufeinander zuzugehen, obwohl man sich nicht kennt. Das kann der Kölner gut. Und auch wenn ich mal Abstand von der Stadt brauche, ist es doch letzendlich zuhause immer noch am Schönsten. Et jitt kei Wood dat sage künnt wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk, Wenn ich an ming Heimat denk!
PS: Was uns ursprünglich verraten hat? Der FC-Schal – war klar oder?

Liebe dein Veedel!

Sülz, der Prenzlauerberg von Köln?

Dieser Artikel ist auf redaktioneller Basis entstanden!

Carina

Carina ist vor 10 Jahren nach Köln gekommen um zu bleiben. Sie lebt und liebt Sülz, erkundet aber auf ihrem hellblauen Fahrrad auch gerne die anderen Viertel der Stadt. Immer auf der Suche nach den besten Yoga- und Kaffeespots!