Vicki Blau denkt

Vicki Blau denktDaydrinking & Vuvuzela - Endlich normale Leute!

Scheiße, meine Leber! ABER: Gott sei Dank, Fußball geht weiter! Nicht etwa, weil ich übertriebener Fan bin. Das wäre gelogen. Nein, also, ich freu mich schon, wenn „wir“ gewinnen, aber ich bin jetzt auch kein Ultra der seine Vuvuzela schon seit 2014 auf den nächsten Sieg einstimmt. Nein, für mich ist Fußball in erster Linie eine gute Entschuldigung für Daydrinking.
Ich liebe tagsüber trinken. Ich find das Rock ‘n Roll.  Man trinkt, wenn andere arbeiten müssen, geht abends um 22h noch eben in den Rewe, kauft sich ‘ne Tiefkühlpizza und wenn der Pöbel dann anfängt zu saufen, ist man schon im Bett. Ich bin keine 20 mehr und kann wie 2006 nach jedem Spiel auf der Zülle eskalieren. Nein, heute hab ich schon beim Anpfiff einen sitzen.

Oberhaterin aller Vuvuzelas

Aber auch ohne Konsum, hab ich festgestellt: Was ich am Fußball mag ist, dass Deutschland sich in den wenigen WM-Wochen so benimmt, wie Köln sich latent das ganze Jahr: Peinliche Kostüme, fiese Kurze und alle sind die dicksten Freunde.
Ein bisschen wie Karneval im Sommer. Bundesweit. Der Deutsche an sich ist im innereuropäischen Vergleich ja ungefähr so spritzig wie eine angebrochene Flasche Sprudel, die seit vorgestern im Auto liegt, aber in den geraden Jahren (-> Fußballjahren), da zeigen wir, was in uns steckt. Ein bisschen, wie der bierernste Onkel, der an Weihnachten nach dem zweiten Obstler plötzlich anfängt anzügliche Witze zu machen und vielleicht sogar ein Tänzchen wagt.
Bis letzte Woche hätte ich geschworen: „Wer Seitenspiegel im Deutschland-Look hat, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Aber ich, die Oberhaterin aller Vuvuzelas und Klatschpappen, ich dachte am Samstag: Irgendwie ist das doch auch süß.

„Rudelgucken“ klingt nach Jägerconvention

Wir in Köln kennen das, dass man sich regelmäßig komplett bescheuert anzieht und auf der Straße gemeinsam singt, aber jetzt lasst den Leuten auf der schwäbischen Alb die Freude doch auch mal. Kann ja nicht jeder in Köln geboren sein, da darf man nicht gehässig werden. Wann sollen Münchner, die außer Lederhosen und Lacoste nichts an ihre strammen Wadln lassen, denn sonst mal die Sau rauslassen, als beim Public Viewing  im P1 (ich werde nie das Wort „Rudelgucken“ benutzen, das klingt für mich nach Jägerconvention)?

After-Schland-Pizza

Natürlich löst der Anblick der Flagge auch bei mir auf den ersten Blick immer komische Gefühle aus, aber Anfang des Jahres dachte ich schon: Nach der Wahl ist vor der WM und da spielt die AfD nicht mit. Also, werde ich klatschpappentolerant und angeheitert das Spiel gegen Korea schauen und hoffe, dass ich diesen Sommer noch häufiger beschwipst im Rewe eine After-Schland-Pizza erstehe.

Vicki

Vicki ist im Bilde, wenn es um Events und Kulturspektakel aller Art geht. Sie ist Comedienne, Schauspielerin und Autorin. Wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, sitzt sie je nach Tageszeit gerne mal in einem schönen Café oder einer Bar - klischeemäßig natürlich am MacBook. Sie wohnt in der Südstadt.