Was Buntes im Grünen

Was Buntes im GrünenKölns vergessener Freizeitpark am Rheinufer

Früher ein beliebtes Ziel zahlreicher Wochenendausflüge der Einwohner Kölns, heute eine auf den ersten Blick leere Grünfläche. Wenig erinnert auf dem Gelände der Riehler Aue noch auf den ersten und einzigen Freizeitpark im Kölner Stadtgebiet. Warum konnte sich der Kölner Tivoli Park nicht halten und wie zieht man eigentlich mit Elefanten um?

© Sammlung Jürgen Nießen

Über die Bundesgartenschau zum Freizeitpark

Die Entstehungsgeschichte des Parks ist fast so kurz wie die Zeit, in der er betrieben wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden unter den stärker zerstörten Städte Austragungsorte für eine „Bundesgartenschau“ ausgelost, die alle zwei Jahre stattfinden und gleichermaßen Touristen und neue Impulse in die Städte bringen sollte. Nachdem Köln bereits den Zuschlag für die „BUGA“ 1957 erhalten hatte, konnte das Planungskomitee der Stadt bereits 1961 erfolgreich die nächste Ausschreibung für die Ausstellung im Jahr 1971 verbuchen.

© Sammlung Jürgen Nießen

„Kölner Tivoli Erholungs- und Vergnügungspark GmbH“

Aufgrund sich verzögernder Sanierungsarbeiten auf dem eigentlichen Plangelände der „BUGA“ 1971, entschieden sich die Veranstalter – wie bereits im Jahr 1957 – den Rheinpark zwischen den Stadtteilen Deutz und Mülheim zu nutzen und zusätzlich um den Bereich der Riehler Aue, nahe der Mülheimer Brücke, zu erweitern. Als Teil der Gartenschau sollte auf dem Gelände ein Freizeit- und Vergnügungspark entstehen. Hierfür wurde 1969 die „Kölner Tivoli Erholungs- und Vergnügungspark GmbH“ gegründet. 

Postkarten vom Tivoli

© Samlung Jürgen Nießen

© Samlung Jürgen Nießen

© Samlung Jürgen Nießen

Eine Reise um die Welt

Das Kölner Tivoli wurde als Hommage an den Kopenhagener Namensvetter und den Wiener Wurstelprater konzipiert: Statt ideenlos Attraktion an Attraktion zu reihen, sollte der Freizeitpark seine eigene Welt erschaffen. Pünktlich zur Eröffnung der „Bundesgartenschau“ am 29. April 1971 öffnete der damals größte Freizeitpark Deutschlands seine Tore und eröffnete seinen Besuchern, worauf sie die letzten zwei Jahre gewartet hatten.

Unter dem Motto „Eine Reise um die Welt“ war das Kölner Tivoli in vier Ländergruppen (Deutschland, Südamerika, Frankreich und Türkei) unterteilt worden, in denen landestypische Spezialitäten angeboten wurden. Die Fahrtgeschäfte reichten von einem 40 Meter großen Riesenrad über die Achterbahn „Super 8“ bis hin zu einer Reihe von klassischen Karussells, einer eigenen Kartbahn und der Diskothek „Old Mexiko“. Doch während der Elefantenzirkus oder die Westernstraße mit eigenem Saloon im Rahmen der „Landesgartenschau“ noch hunderttausende Besuch anzogen, konnten die Einnahmen in den folgenden Jahren die laufenden Kosten der Betreiber nicht decken.   

© Sammlung Jürgen Nießen

1972 noch 300.000 Besucher

Die drei Gründer der „Kölner Tivoli Erholungs- und Vergnügungspark GmbH“ hatten sich wegen eines Rechtsstreits bereits noch vor der Eröffnung des Freizeitparks 1971 getrennt und sahen sich seit der Eröffnung der Parks mit zunehmend schlechter Presse konfrontiert: Der Eintritt von zwei Mark beinhaltete keine einzige Attraktion und auch die Qualität der gastronomischen Betriebe wurde bemängelt. Obwohl im Jahr noch 1972 noch 300.000 Besucher den Park aufsuchten, waren auch sie nicht genug, um den Konkurs der Gesellschafter im August 1975 zu verhindern.

© Sammlung Jürgen Nießen

In der Welt zerstreut

Nachdem im März 1976 die letzten verbliebenden Attraktionen abgebaut und die verwaisten Gebäude abgerissen worden waren, bemerkte der Kölner Stadt-Anzeiger von der „Kölner Tivoli Erholungs- und Vergnügungspark GmbH“ seien lediglich „ein Esel, eine Ziege und ein Holzhäuschen“ übrig. Einige der ehemals Kölner Attraktionen kann man jedoch heute noch erleben. Das Riesenrad dreht sich heute in den Niederlanden, die Achterbahn „Super 8“ erfreut heute vermutlich Kinder in den USA. Nur das damalige Kettenkarussell „Wellenflieger“ kommt inzwischen als „Schwanenflieger“ auch auf Kölner Volksfeste und erinnert an den fast vergessenen Freizeitpark zwischen Deutz und Mülheim.

Das Bildmaterial stellte uns freundlicherweise Jürgen Nießen zur Verfügung

Der Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden
Hauke

Hauke arbeitet als freier Autor für Geheimtipp Köln und schreibt am liebsten über lustige Tiere und alkoholische Kaltgetränke. Der passionierte Trainspotter liebt die urigen Eckkneipen Kölns.