Mit dem Ulila Verlag Let’s talk Kölsch

Zwei junge Frauen ziehen nach Köln, um zu studieren. Beide jobben in der Gastronomie und stehen eines Tages als Kellnerinnen bei einem Sektempfang nebeneinander. Keiner der Gäste interessiert sich für den Sekt und die Mädels haben nichts zu tun, also fangen sie an zu quatschen. Aus dem fröhlichen Plausch wurde eine Verabredung auf ein Glas Wein – und daraus eine richtig gute Freundschaft. Das ist 7 Jahre her. Heute sind Nicola Boyne und Ulrike Haas nicht nur ein eingeschweißtes Freundinnen-Duo, sondern auch Geschäftspartnerinnen. Die beiden haben vor Kurzem mit viel Mut und Kreativität ihren eigenen Verlag gegründet – und das wohl bunteste Wimmelbuch aller Zeiten rausgebracht. Denn „Mimis kunterbunte Welt“ zeigt unsere Gesellschaft wie sie ist: vielfältig und wunderschön!

© Carina Birnbacher
Carina

Ihr seid beide fürs Studium hergezogen, Uli du kommst aus Baden-Baden, Nicola du aus Münster. Was hat euch bewegt in Köln zu bleiben?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Nicola: „Ich war mal für zwei Jahre in Berlin, bevor ich 2014 nach Köln kam. Als ich dann hier mit dem Eventmanagement Studium fertig war, hatte ich kurz die Idee wieder zurück nach Berlin zu gehen. Aber neee, ich mag Köln. Es ist für mich die beste Stadt. Viele sagen ja, dass sie Köln hässlich finden – find ich aber gar nicht. Das ist wie bei so einem Freund, den jetzt andere objektiv nicht so schön finden, aber man selbst denkt: der ist doch super schön! Halt weil man den charakterlich so toll findet. Und mit charakterlich meine ich natürlich die herzlichen Kölner.“

Wir müssen alle ziemlich laut lachen. Denn jeder hat grade diesen einen Freund oder Schwarm im Kopf, den man selbst unglaublich attraktiv fand – zum völligen Unverständnis der anderen.

Nicola setzt strahlend hinzu: „Und außerdem habe ich hier Uli kennen gelernt!“

Uli: „Ich bin 2010 aus Baden-Baden hierhergekommen, um im Schloss Bensberg meine Ausbildung zu machen. Dort habe ich auch meinen Freund kennen gelernt. Und naja, ich wollte dann noch studieren und bin hier an die Uni gegangen. Und dann war für mich einfach klar: Köln ist gesetzt.“

Grinsend ergänzt sie: „Ich bin ja gebürtig aus dem Schwarzwald. Und als ich nach Köln kam, war ich völlig geschockt über diese Art und Weise, wie offen die Rheinländer sind. Das gibt es in meiner Heimat nicht. Dort würde keiner einem ins Gesicht sagen was man denkt und ich wusste am Anfang nicht, ob ich damit klarkomme. Aber schon nach einem Jahr hier in Köln habe ich das so lieben gelernt, das ist für mich die Art und Weise wie ich gerne leben möchte. Offen und ehrlich.“

Carina

Lieblingsveedel?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Nicola: „Das hat sich ein bißchen geändert. Es war eigentlich immer das Belgische, wo ich auch wohne. Aber mittlerweile ist das Agnesviertel zu meinem neuen Liebling geworden. Die leider grade geschlossenen Bars und Restaurants, die schönen Gebäude und einfach der gesamte Veedels Charakter – das ist im Agnesviertel noch viel entspannter.“

Uli: „Schwierig, alle Veedel haben was für sich. Intuitiv würde ich sagen Nippes, denn da war meine erste Wohnung in Köln. Das ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen. Aber auch das Kwartier Latäng, da habe ich im Tanica und Il Bagutta gearbeitet. War oft im Stiefel oder am Rathenauplatz – da hatte ich einfach meine schönsten Abende ever!“

Sofort kommt Sehnsucht nach genau solchen Abenden bei uns auf. Romantische Restaurantbesuche oder mit dem Wegkölsch in der Hand unterwegs zur Kneipe, Freunde treffen – einfach diese großartige Stadt genießen. Wie sehr uns das fehlt!

Carina

Gut, bevor wir jetzt melancholisch werden, erzählt doch mal. Wie kamt ihr auf die Idee mit eurem kunterbunten Wimmelbuch?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli: „Dadurch, dass ich ja 2 Kinder habe, habe ich auch einige Wimmelbücher zuhause. Und irgendwann ist mir aufgefallen, dass die Darstellungen darin allesamt ziemlich weiß und stereotyp sind. Keine verschiedenen Hautfarben, Körperformen oder Religionen, keine Menschen mit Behinderungen, keine Menschen mit Tattoos und so weiter. Immer nur die Konstellation Mama, Papa, Kind – und der Papa geht arbeiten während Mama kocht. Niemals zwei Mamas oder Papas, niemals geschlechtsneutrale Personen. Das was ich in diesen Wimmelbüchern gesehen habe, zeigt einfach nicht unsere Gesellschaft wie sie ist. Das hat mich geärgert.“

Verständlich!

Uli weiter: „Nicola war im Oktober kurz nach Maxims 2. Geburtstag zu Besuch und ich habe ihr von dem erzählt, was mir aufgefallen ist. Ich habe ihr gesagt, dass ich da diese Idee von einem eigenen Wimmelbuch habe, aber gar nicht weiß, wie man sowas macht. Gleichzeitig hatte Nicola Lust auf ein Herzensprojekt.“

Nicola: „Nachdem ich gesehen habe, dass die Wimmelbücher in Maxims Kinderzimmer tatsächlich ziemlich unrealistisch und eintönig sind, habe ich gesagt: Das machen wir, sofort!“

Uli lachend: „Das ist halt Nicola: sofort, sofort!“

Nicola und Uli vom Ulila Verlag.
© Carina Birnbacher
Carina

Aber ihr hattet keine Erfahrung in der Verlags- oder Buchbranche. Wie seid ihr vorgegangen?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli: „Eine Woche nach diesem Besuch hatten wir bereits unser erstes „Meeting“, noch im Oktober.“

Nicola: „Uli hatte die Idee, wusste aber nicht genau, wie man sie umsetzen könnten. Ich hatte aber schon in Werbeagenturen gearbeitet, die Bücher produziert haben. Zwar für Immobilien oder irgendwelche Fotobänden, aber so wusste ich wie man sie produziert. Die Frage bei uns war, ob wir da jetzt noch einen Verlag mit reinnehmen. Nach ein wenig Recherche war aber schnell klar: Neee, das machen wir jetzt selber! Und das haben wir dann getan. Gegründet, Crowdfuning, eine tolle Illustratorin gefunden und plötzlich hielten wir unser eigenes Wimmelbuch in den Händen!“

Carina

Ich bin wahnsinnig beeindruckt, wie habt ihr den Mut dazu gefasst?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Nicola: „Meine Devise beim Arbeiten ist ja eher so: ich kann erstmal alles und ich mach das. Und dann geht’s 18-mal schief und beim 19. Mal wird’s richtig! Da war also ganz viel „trial and error“ mit drin. Wir haben auch Fehler gemacht, klar. Aber deswegen hat uns nie jemand den Kopf abgerissen. Und wir hatten einfach richtig richtig viel Bock drauf. Zur Not geht’s halt schief, davon geht die Welt auch nicht unter! Ich glaube es war eine Mischung aus spielerischer Vorgehensweise, ganz viel Wille und einer kleinen Portion Unbedarftheit.“

Uli: „Wir hatten auch einfach viel Zuspruch und Hilfe von Familie und Freunden. Das hat uns unglaublich gestärkt.“

Nicola wird ernst: „Stimmt. Und was mir vor allem wichtig war: egal ob ich damit einen Cent verdiene oder nicht, ich wollte unbedingt, dass es dieses Buch auf der Welt gibt!“

Carina

Uli, dein Sohn Maxim – genannt Mimi, ist Namensgeber für das Wimmelbuch. Wie gefällt ihm denn euer Werk?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli: „Er liebt es! Vor allem, weil er ja auch darin vorkommt und sich auf den Seiten immer selber sucht. Da ist er ganz stolz drauf!“

Carina

Und seid ihr beide auch in dem Buch?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli: „Ja! Aber das war eine Idee von Shiila, unserer Illustratorin. Irgendwann sind uns zwei Frauen aufgefallen. Und wir dachten: Die sehen ja aus wie wir beiden! Eine total schöne Überraschung war das.“

Carina

Aber eins fehlt in dem Buch: der Kölner Dom! Warum?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Nicola grinst: „Unser Buch räumt mit Klischees auf – und der Dom ist nun mal ein Klischee. Immer wenn es um Köln geht, wird der Dom gezeigt. Aber wir wollen, dass sich auch andere Menschen, außerhalb unserer schönen Domstadt mit dem Buch identifizieren. Daher gibt es andere und teilweise nicht so offensichtliche, aber sehr schöne kölsche Merkmale.“

Nicola und Uli vom Ulila Verlag zusammen mit Carina.
© Carina Birnbacher
Carina

Was steht bei euch als nächstes an? Wie geht’s weiter mit Mimis kunterbunter Welt und dem Ulila Verlag?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli: „Wir würden das natürlich gerne noch weiter voranbringen, weil wir einfach merken, dass die Leute das wirklich wollen. Daher planen wir ein Memory Spiel, ein Ausmalbuch und ein Puzzle. Ein zweites Wimmelbuch würden wir auch gerne rausbringen. So lernen die Kinder auf ganz natürliche Art und Weise, das Vielfalt etwas ganz Normales ist. Wir merken jetzt schon, dass Kinder, die unser Buch sehen, sich zum Beispiel über 2 Mamas als Eltern gar nicht wundern. Und so soll es auch sein.“

Carina

Supercool! Da sind so viele gute und wichtige Ideen. Ich hoffe von Herzen, dass ihr die alle umsetzen könnt. Habt ihr denn zu guter Letzt noch einen Tipp für alle, die zwar eine Idee, aber noch nicht den Mut zur Umsetzung gefunden haben?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Uli trocken: „Nicola anrufen.“ Es folgt ein herzliches Lachen.

Nicola: „Mit einem gesunden Optimismus und auch ein bisschen Naivität, bloß nicht zu verkopft! Es einfach machen. Klar, es klappt nicht alles sofort und es passieren Fehler. Na und?? Aber was wirklich wichtig ist, wenn ihr mit einer Freundin gründet: ganz viel sprechen. Denn es kann vorkommen, dass man mal etwas missversteht oder so. Da muss man unbedingt ehrlich miteinander kommunizieren.“

Carina

Eigentlich sind wir damit am Ende des Interviews. An diesem Punkt frage ich mein Gegenüber immer nochmal: Gibt es noch etwas, was dir oder euch wichtig ist? Was ich schreiben soll?

Nicola und Uli vom Ulila Verlag

Und Uli antwortet: „Ja, dass alle ohne Vorurteile durch die Welt gehen sollen.“

Übrigens:

Übrigens: der Name setzt „Ulila“ setzt sich aus den beiden Vornamen der Gründerinnen zusammen. Uli und Nicola. Und wenn ihr jetzt auch ein kunterbuntes Wimmelbuch, welches spielerisch Diversity und Inklusion in jedes (Kinder-)Zimmer bringt, bestellen wollt, könnt ihr das einfach HIER machen.

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