Es grünt so grün Mauritia Galerie

Amsterdam. Sommer 2020. Morgens, kurz vor 4 Uhr: Moritz und Moritz schmieden Pläne. Jonas, der Dritte im Bunde, hat sich nach einer langen Nacht schon ins Bett zurückgezogen. 04:08 Uhr: Eine WhatsApp Nachricht von Moritz an Jonas: Zwei Bilder (1. tropischer Urwald, 2. ein steriler weißer Galerieraum) werden mit folgenden Worten verschickt: Jonas, wir kombinieren einen Dschungel mit einer WhiteCube Ausstellung!

Vom Luftschloß zur Eröffnung

Im Sommer die Idee – im Winter die Eröffnung der Mauritia Galerie! Es ging alles sehr schnell. Nachdem die drei Freunde glücklicherweise über Kontakte das
Objekt am Friesenwall ergattern konnten, begann die konkrete Entwicklung und Umsetzung ihrer Vorstellungen, anschließend die Renovierungsarbeiten und natürlich die Beschaffung der Pflanzen.
Bereits ein paar Monate nach ihrer Tour nach Amsterdam, stehen sie also in ihrem eigenen Laden in der Mitte Kölns: Moritz, Moritz und Jonas, die drei Gründer von “Mauritia”. Man könnte meinen, der Name sei irgendwie aus der Mehrzahl von “Moritz”
entstanden. “Vielleicht ein wenig”, erzählt Moritz schmunzelnd. Doch tatsächlich ist der Name vielmehr auf eine Palmengattung zurückzuführen. Ein sehr schönes Zusammenspiel kleiner Elemente wie ich finde.

© Clara
© Clara

Die Oase mit den 500 Pflanzen

Drei junge Männer, die durch die Pandemie mehr oder weniger gezwungenermaßen eine berufliche Neuorientierung hinter sich hatten oder benötigen konnten, teilen nicht nur die große Leidenschaft zu Pflanzen, sondern plötzlich auch die Verantwortung eines eigenen Geschäfts voller grüner Gewächse: Palmen, Sträucher, Kakteen und Fahne. Insgesamt wird die Galerie mit ungefähr 130 verschiedenen Arten und damit ca. 500 Pflanzen gefüllt. Es handelt sich jedoch nicht um einen typischen Standard- Blumenladen. Die weißen sterilen Wände, Deckenstrahler mit speziellem Pflanzenlicht und erhobene Sockel sowie
kleine Emporen, vereinzelt einfarbige bunte Leinwände geben den Pflanzen eine Bühne – wie es für eine Ausstellung üblich ist. So erzählt Moritz: “Bei uns sind die Pflanzen die Protagonisten. Wir möchten jeder Einzelnen die Chance geben, ihre Schönheit präsentieren zu können.” Das ist auch der Grund, weshalb sie zusätzlich wunderschöne, fast wie Einzelstücke wirkende Keramiktöpfe anbieten.

Bei uns sind die Pflanzen die Protagonisten.

Moritz

Grün für jeden Geldbeutel

Auch die selbstkreierte Pflanzenwand mit eigenständig entwickeltem Bewässerungssystem ist ziemlich beeindruckend. Umringt von Blättern und Grüntönen,
muss man sich teilweise winden, strecken oder bücken um die volle Pracht wahrzunehmen oder nicht an Sträuchern und Ästen hängen zu bleiben. Und nicht nur die grünen Blätter geben einem das Gefühl von einer dschungelartigen Welt, die erhöhte Luftfeuchtigkeit und die dezente Wärme im Raum lässt einen in eine tropische Atmosphäre abtauchen. Das Schöne: Für jeden Geldbeutel lässt sich hier etwas finden. Von der kleinen Zimmerpflanze für acht Euro bis hin zum Bananenbaum im dreistelligen Bereich – die Lieferung großer aufwändiger Gewächse inklusive Topf kann man selbstverständlich dazu buchen!
Das Konzept der drei jungen Männer geht jedoch über den Laden hinaus. Nicht nur möchten sie in naher Zukunft auch die Blumentöpfe selbst produzieren, schon jetzt bearbeiten sie Aufträge von Privatpersonen, Restaurants, Unternehmen und Hotels, die sie mit ihrer einzigartigen Leidenschaft und dem Gespür für Ästhetik und Wirkung von Pflanzen beraten und im Anschluss vor Ort ausstatten. Ein bis zweimal im Monat fahren Moritz, Moritz und Jonas nach Holland zu Baumschulen, Plant Nurseries und Gewächshäusern, um dort ihre ganz persönliche Auswahl für den Laden zu treffen. “Das kann, bei schwierigen Wetterverhältnissen oder empfindlichen Pflanzen auch einmal zu einem komplizierteren Transport führen, was eine extra Portion Kreativität und Spontaneität erfordert. Aber bis jetzt ist uns immer etwas eingefallen – ob mit Wärmedecken oder Anschnallgurten – die Pflanzen sind sicher, warm und ohne Schäden in Köln angekommen”, sagt Moritz und ich merke, wie der Spaß an dieser Arbeit ihn und seine Kollegen voran treibt.

© Mauritia Galerie

Auch schon mal Pflanzenretter

“In Ausnahme nehmen wir auch Pflanzen in Obhut. Nachbarn bringen ihre ‘kranken’ Lieblinge zu uns, die wir pflegen und versuchen wieder aufpäppeln”, schön zu sehen, wie schnell sie im Viertel aufgenommen wurden.
“Vorher war hier eine eine Rum-Bar drin. Vom Lärmpegel her, kann ich mir vorstellen, dass die Anwohner froh waren, dass die Bar geschlossen wurde. Als die Nachbarn dann aber bemerkten, dass nun wieder drei junge Typen anfingen in dem Gebäude rumzuwerkeln, wurden einige sichtlich nervös. Während des Umbaus begegnete ich vor unserem Eingang einem alten Mann, der neugierig fragte, was unser Plan wäre. Im Anschluss an unser Gespräch, hob er seine Hand und ich musste mit ihm einschlagen. Hätte wohl keiner gedacht, dass wir ein ruhiges entspanntes Pflanzengeschäft aufmachen. Ich glaube, er war wirklich erleichtert”, erinnert sich belustigt Moritz an die Situation.

© Mauritia Galerie

Die Kraft der Natur

Dass Pflanzen nicht nur Deko, sondern auch Lebewesen sind, die ständige Aufmerksamkeit benötigen, möchten sie weiter tragen. So sind sie selbst unermüdlich sich in diesem Metier weiterzubilden: lesen sich in die verrücktesten Pflanzenarten ein, betreiben Recherche über ihre Neuankömmlinge oder erkundigen sich bei Experten über spezielle Pflegemethoden. Pflanzenliebhaber oder nicht: Auch Menschen ohne grünen Daumen, werden nach einem Besuch der Mauritia Galerie den Laden fasziniert und beflügelt, mit einem Gefühl eine kleine ferne Reise hinter sich zu haben, verlassen. Da bin ich mir sicher.
Die Liebe zu ihren Pflanzen und das aufrichte Interesse an der Kraft der Natur kann man sofort spüren, wenn man den Laden betritt und erst Recht, wenn man mit den Gründern ins Gespräch kommt. Es sprudelt vor Leidenschaft und Ideen. Ihr Wunsch ist es, langfristig einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen nicht nur herkommen um besondere Pflanzen zu kaufen. Viel mehr soll es zu einem kleinen Treffpunkt werden, wo man sich austauschen und inspirieren lassen kann. So planen sie, freitags und samstags zu kleinen Feierabend-Umtrünke einzuladen und auch tagsüber Kaffee in der Galerie anzubieten. Ist ja auch klar: Wen reizt es nicht, für ein paar Stunden in einer grünen Oase zu verweilen, fernab des urbanen, lauten und oft so grauen Stadtlebens?